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Erste Völkerdurchsicht

Am 15. Februar steht die Hasel bereits in voller Blüte und bietet Pollen für eifrige Sammlerinnen.
Am 15. Februar steht die Hasel bereits in voller Blüte und bietet Pollen für eifrige Sammlerinnen.

Keine Angst vor früher Kontrolle

Die Brutnester sind z.Z. noch im Aufbau und der Anteil bereits gedeckelter Brut eher gering, so dass eine zügige Vökerkontrolle auch bei 14 oder 15° C am Nachmittag, wenn die Sonne das Umfeld etwas erwärmt hat und es nicht zu windig ist, gewagt werden kann.

Allerdings sind die Bienen dieses Jahr bereits ungewöhnlich weit (siehe auch Blogkategorie "Wetter und Natur"). Selbst bei einzargigen Ablegern konnte ich bis zu drei Waben bereits gedeckelter(!) Brut feststellen.

 

Was ist zu tun?

Da wir ohne Mäusegitter auskommen (siehe Blogbeitrag "Beutenbau" vom 25.12.2018), brauchen wir jetzt auch keine zu entfernen. Wer welche nutzt, sollte diese dringend beseitigen, um den Bienen einen ungehinderten Zuweg in den Stock zu verschaffen. Die mühsam gesammelten Pollen werden nämlich sonst z.T. abgestreift und die Bienen quälen sich ungern durch das kalte Metall. Wir verzichten daher seit Jahren auf Mäusegitter und fertigen Bodenbretter mit 7mm hohen Flugschlitzen. Dabei konnten wir bisher (so auch dieses Jahr) keine Mäuseschäden feststellen.

 

Flugkontrolle

Ehe Völker geöffnet werden, achte man auf das Flugverhalten: Herrscht reger Verkehr mit heimkehrenden Pollensammlerinnen, so ist alles in Ordnung. Bis auf einen Außenstand konnten wir dieses Wochenende bereits alle Völker besichtigen und freuen uns, dass alle Völker bisher gut durch den Winter gekommen sind und wir keine Verluste zu beklagen haben. Über den Reinigungsflug wird im heutigen Blogbeitrag "Bienenflug im Februar" in unserer neuen Rubrik "Wetter und Natur" berichtet.

 

Bodenbretter reinigen

Da die heutigen Böden mit Lüftungs- bzw. Varroa-Gittern ausgestattet sind, schaffen es die Bienen nur unzureichend, die Wintertoten selbst herauszuschaffen: Sie verhakeln sich im Gitter und können nicht als Ganzes herausgezerrt werden. Selbst bei glatten Böden wäre das für das Bienenvolk, das jetzt mit anderen Aufgaben, wie dem Pollen- und Wasserholen, Heizen und der Brutpflege betraut ist, viel unnötige Arbeit. Wir helfen den Bienen also, wenn wir die Bretter entleeren. Dazu heben wir die Zarge(n) samt Deckel als Ganzes ab und legen sie quer z.B. auf ein benachbartes Volk, so dass man auch von unten einen schnellen Blick ins Volk werfen kann, um sich schon einmal einen Eindruck vom derzeitigen Sitz des Volkes zu verschaffen. Das Bodenbrett wird etwas abseits in die Wiese geleert und mit dem abgewinkelten Ende des Stockmeißels ausgekratzt. Es ist ganz normal, dass zu dieser Zeit überall auf dem Boden tote Bienen liegen, da der natürliche Abgang über den gesamten Winter dort zu finden ist. Dennoch sollte man auf Unterschiede zwischen den Völkern achten und ggf. Ursachen aufspüren, wenn z.B. auffallend hoher Totenfall nicht zur Volksstärke passt oder andere ungewöhnliche Dinge auf dem Bodenbrett zu finden sind, die z.B. auf das Eindringen von Mäusen schließen ließen.

Anschließend stellt man das Bodenbrett an alte Position zurück, so dass sich die suchenden Flugbienen sogleich wieder einfinden können, wenn die Zargen wieder aufgesetzt sind. Wer die Bodenschieber unter den Varroagittern noch nicht kontrolliert und gereinigt hatte, kann dies im gleichen Arbeitsgang tun. Spätestens jetzt sollte man sie für eine bessere Frühjahrsentwicklung des Volkes auch wieder einlegen, falls man einen "offenen Winterboden" bevorzugt. Bei uns im hohen Norden bleiben die Böden aus gutem Grund aber ganzjährig geschlossen (siehe auch Blogbeitrag "Bodenschieber: rein oder raus?" vom 27.5.2018 in der Rubrik "Betriebsweise"). Bei einem unserer Völker fehlte aus irgend einem Grund der Bodenschieber (Windel). Dort entdeckte ich fünf oder sechs geschwächte Bienen, die von unten am Gitter saßen und nach dem Reinigungsflug offenbar den richtigen Eingang verpeilt hatten. Auch das hat mich wieder darin bestärkt, die Schieber stets drin zu lassen.

 

Wabensitz richten

Anschließend, wenn das Volk wieder aufrecht an alter Stelle auf dem nun gereinigten Bodenbrett steht, öffnen wir den Deckel. Feuchtigkeit unter der Folie verrät das Brutgeschäft.

Wir arbeiten nun zügig, um das Volk nicht unnötig zu stören und der Kälte auszusetzen! Wir wissen ja bereits durch den Blick von unten ins Volk, wo es sitzt und was nun zügig zu tun ist: Denn jetzt wird das Volk wieder mittig ausgerichtet, damit sich das Brutnest gleichmäßig zu beiden Seiten entwickeln kann. Manche Völker sitzen nämlich nun ganz an der einen Außenwand, während zur anderen Seite noch Platz ist. Unsere Völker sitzen im "Kaltbau", was bedeutet, dass alle Wabengassen zum Flugschlitz hin ausgerichtet sind. (Der Querbau, bei dem die Waben parallel zur Flugfront hängen, nennt man hingegen "Warmbau").

In manchen Ablegern hatten wir über Winter sogar noch die Futtertaschen vom Auffüttern hängen, die spätestens jetzt entfernt werden. Sollte jemand schimmlige Randwaben entdecken, so entfernt er diese ebenfalls. In unseren selbst gebauten Naturholzbeuten (siehe Blogbeitrag "Beutenbau" vom 25.12.2018) konnten wir keine Schimmelbildung feststellen, obwohl wir auf geschlossenen Böden überwintern lassen!

Beim Verschieben der Waben werden die Futtervorräte gesichtet: Schon vorher beim Heben und Umlegen des Volkes wäre aber aufgefallen, wenn etwas nicht stimmt und ein Volk zu leicht ist. Mit unserer Futtermenge (14kg Zucker, vgl. Blogbeitrag "Winterfutter" vom 26.12.2018) sind wir aber auch dieses Jahr bisher gut über den Winter gekommen. Überzählige Futterwaben werden zu dieser Jahreszeit aber noch nicht entnommen, da der Winter noch einmal zurückkommen kann und die Bienen jetzt beim Volksaufbau am meisten zehren, während die Natur noch keinen Nektar (lediglich Pollen) hergibt. Die Waben werden also höchstens von einem Ende zum anderen gehängt, falls das Brutnest zur Mitte gerückt werden muss. Sollte noch Platz sein, weil ein Ableger nur auf unvollständig gefüllter Zarge sitzt oder durch die Herausnahme einer Futtertasche Platz entstanden ist, so kann man eine fertig ausgebaute, möglichst schon einmal bebrütete Wabe ans Brutnest hängen. Es lohnt aber nicht, schon einen Baurahmen zuzuhängen.

 

Futtervorräte aufritzen

Wir nutzen die Gelegenheit der Durchsicht aber schon einmal, Futtervorräte mit dem Stockmeißel anzuritzen bzw. aufzudrücken . Dadurch können wir (ähnlich einer Reizfütterung) den Brutbetrieb anregen, da die Bienen das Futter umtragen und dies einen Nektarfluss von außen simuliert. Sobald die Bienen Pollen eintragen, ist diese Maßnahme zulässig. Früher wurde empfohlen, die Futterkränze direkt über dem Brutnest aufzuritzen, damit sich das Nest vergrößern kann. Ebenso effektiv ist es aber auch, eine Randwabe neben der z.B. ans Brutnest gehängten Leerwabe (s.o.) anzuritzen: Die Bienen tragen das Futter innerhalb des Stockes in die Nähe des Brutnestes und der gewünschte Effekt entsteht., so dass die Königin wegen des regen Futterstromes zum Eierlegen animiert wird. Bei der jetzigen Durchsicht ließ sich z.T. feststellen, dass die Bienen auch ohne Zutun des Imkers bereits Futtervorräte umtragen, damit sich das Brutnest entwickeln kann: Bei genauem Hinschauen entdeckt man nämlich ungedeckelte "Nektarflächen" in den Waben.

Zum Anritzen müssen die Waben nicht einmal gezogen werden: Es reicht ein leichter Rauchstoß von oben, um die Bienen zurückzudrängen und sogleich mit dem Stockmeißel von oben in die noch auf Lücke hängende Wabe zu ritzen. Es reicht völlig, wenn man auf zwei Waben jeweils einen Streifen aufritzt. Auch kann man beim Verschieben der Waben leicht erkennen, wie weit das Brutnest reicht und muss nicht jede Wabe ziehen.

 

Sechs-Wochen-Regel:

Die Eier, die jetzt im Februar noch gelegt werden, stehen uns erst im April, sechs Wochen später (drei Wochen Brut, drei Wochen Stockbienen) als Sammelbienen zur Verfügung. Da wir aus Obst und Raps Honig ernten wollen, sind wir auf eine rasche Frühjahrsentwicklung unserer Bienenvölker angewiesen.

 

schlechte Raps-Aussichten 2019:

Leider wird es dieses Frühjahr mit der Rapstracht schlecht aussehen, da der letzte Sommer zu trocken war und der Raps sich nach der Aussaat kaum entwickeln konnte und großen Teils wieder untergepflügt werden musste. Unser Bauer, bei dem wir die letzten Jahre im Raps standen, hat uns daher schon abgesagt. Vielleicht finden wir ja noch einen anderen Stellplatz bis April, wenn der Raps blüht.

vSa