unsere Produkte

Wir machen Honig, aber auch Met, Propolis und anderes.

 

In erster Linie dient die Produktion unserer Hobby-Imkerei der Selbstversorgung unserer siebenköpfigen Familie mit Bienenprodukten. Überschüsse werden im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis zur Aufbesserung der Taschengeldkasse unserer "Jungimker" vermarktet. Einen Internetshop haben wir nicht, freuen uns aber über neue Kundschaft: In der Regel läuft die Vermarktung über Kontakte der Kinder, über Arbeitskollegium, Nachbarschaft, Gemeinde usw.:

  • Honig verkaufen wir im bekannten 500g-Glas des Deutschen Imkerbundes mit dem grünen Gewährstreifen je nach Sorte für 5 € oder 6 €.
  • Das Kittharz der Bienen bzw. Propolis gibt es (als Tinktur gelöst in Ethanol/Trinkalkohl) in 5ml-Fläschchen mit Pipette und aus rechtlichen Gründen nur für enge Familienangehörige, da wir keine Apotheke sind.
  • Propolis 2. Wahl lösen wir in Brennspiritus und nutzen es als Imprägnierung für unsere Bienenkästen (als Anstrich).
  • Das Wachs verwenden wir wieder in der eigenen Imkerei, um den Bienen Mittelwände (Wachsplatten) für den Wabenbau zu gießen. In der Weihnachtszeit stellen wir aber auch einige Bienenwachskerzen her. Auch Wachstücher für den Haushalt werden von unserem Bienenwachs hergestellt.
  • Met (Honigwein) füllen wir in 500ml-Flaschen und trinken ihn selbst oder geben ihn privat weiter.
  • Bienenvölker, Ableger oder Königinnen gibt es nur auf Vorbestellung/Nachfrage. Vorrangig werden eigene Schüler(innen) bedacht, die in meinen Kursen mit dem Imkern begonnen haben. Außerdem beschicken wir wegen der Sanftmut unserer Bienen auch Schulimkereien.
    Preise für Vereinskolleginnen/-Kollegen und Schülerinnen/Schüler bei Selbstabholung und Umsetzen in eigene Beute:
    Ableger ab Ende März (ca. 5 bis 7 Waben): 89,- €
    Vollvölker für 11,- € pro besetzter Wabe
    Königinnen, begattet, gezeichnet u. i.d.R. mit gestutztem Flügel ab Ende Mai bis Juli: 19 €, ggf. zzgl. Versandt

Dampfwachsschmelzer: Wabenschmelzer selber bauen

Dampfwachsschmelzer, Segeberger Beute, Bienenwachs, Wabenschmelzen, statt Sonnenwachsschmelzer
Ausrangierte Beutenteile werden zum Dampfwachsschmelzer!

Das Einschmelzen der alten Waben gehört zur größten Herausforderung einer Hobby-Imkerei. Die Profischmelzer sind teuer, aber wir zeigen, wie es auch einfach und dennoch effektiv geht. Viel Aufmerksamkeit und Zuspruch hat unser alter Beitrag erhalten, in welchem wir den Aufbau und die Handhabung bereits genauer erläutern:

Dampfwachsschmelzer selber bauen und betreiben

Dort findet sich eine genau Anleitung zum Bau und Betrieb!

Wir demonstrieren das auch nun noch einmal genau in nachstehendem Video.

 

Weisellosigkeit

Dort schmelzen wir die Waben eines eingegangenen Volkes ein, das weisellos geworden war (die Königin=Weisel verloren hatte). In diesem Fall haben wir das nicht rechtzeitig bemerkt. Das Volk hat sich offenbar keine Königin mehr selbst nachziehen können und eine unbegattete Arbeiterin hat angefangen, Eier zu legen, aus denen dann aber nur männliche Nachkommen (Drohnen) entstehen. Da die dicken Drohnenpuppen in den engen Arbeiterrinnen-Zellen keinen Platz finden und sich nach oben herausschieben, entstehen die auffälligen Buckel, warum man von "Buckelbrut" spricht.
Solche buckelbrütigen Völker kehrt man im Sommer am besten weiter entfernt vom Bienenstand ab, so dass sich die fleißigen Arbeiterrinnen bei Nachbarvölkern einbetteln können und die behäbigen Drohnenmütterchen in der Wiese zurückbleiben. Nun haben wir erst bei der Winterbehandlung die restlichen toten Bienen im Stock gefunden, weil wir das Volk vorher nicht mehr kontrollierten.

Wenn man die Weisellosigkeit hingegen rechtzeitig bemerkt und auch noch keine "Buckelbrut" vorhanden ist, kann man das Volk mit einem weiselrichtigen vereinigen bzw. eine Königin oder einen weiselrichtigen Ableger zusetzen. 
Wir hatten tatsächlich ein weiteres weiselloses Volk im Herbst, bei dem das Zusetzen eines Ablegers über Zeitungspapier gut geklappt hat. Vermutlich gingen die beiden Königinnen durch die Ameisensäurebehandlung verloren, was vor allem bei hohen Außentemperaturen während der Säurebehandlung vorkommen kann. Wir hatten insgesamt 28 Völker mit Ameisensäure behandelt (4 davon in der Schulimkerei), was einer hohen Verlustrate von ca. 7% entspricht. In den meisten Jahren hatten wir aber keine Königinnenverluste bei der Ameisensäurebehandlung

 

Video zum Dampfwachsschmelzer
Oben haben wir bereits die Anleitung verlinkt und zeigen hier noch einmal per Video die Zusammensetzung und den Betrieb des Wachsschmelzers. Wir zeigen auch das eingegangene Bienenvolk und die Untersuchung der Ursache. Im Hintergrund sieht man einen alten Mercedes Strichacht. Wir schrauben nämlich auch gerne an alten Autos.

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Varroabekämpfung

Die Portionierung ist mittels mitgelieferter Spritze recht einfach: ca. 5 ml pro besetzter Wabengasse!
Die Portionierung ist mittels mitgelieferter Spritze recht einfach: ca. 5 ml pro besetzter Wabengasse!

Oxalsäurebehandlung
Drei Wochen nach dem ersten Frost ist die richtige Zeit für die Oxalsäurebehandlung, weil die Bienen dann aus der Brut gegangen sein sollten. Bei uns an der Nordseeküste verlaufen die Winter meist mild und Frost ist selten. Am ersten Advent gab es aber bei uns auf dem Land leichten Frost und in der Stadt Emden, wo unsere Schulbienen noch geschützt im Innenhof stehen, näherten sich die Werte nur dem Gefrierpunkt an, wie uns die Aufzeichnungen der Messdaten unserer Stockwaage verraten. Behandelt haben wir am ersten Weihnachtsfeiertag bei +3° C unsere 23 Bienenvölker am Heimatstand und auf zwei Außenständen und am folgenden Morgen noch die vier Schulbienenvölker. Da mit Säure hantiert wird und ohnehin die Behandlung in die unterrichtsfreie Zeit fällt, sind keine Schulkinder dabei, wohl aber mein eigener Sohn. Gerade, wenn Zargen bei der Behandlung angekippt werden müssen, bin ich dankbar, wenn man zu zweit ist. Es geht aber natürlich auch alleine.
Nach unseren Aufzeichnungen im Bestandsbuch, in das man die Behandlung stets gewissenhaft eintragen muss, schwankte der Zeitpunkt der Behandlung in den letzten fünf Jahren zwischen dem 20. und dem 29. Dezember. Die Aufzeichnungen im Bestandsbuch sind nicht nur zur eigenen Orientierung wichtig, sondern dienen auch als Nachweis für die Angaben im Gesundheitszeugnis der Bienen. Man kann sich Vordrucke zum Ausfüllen aus dem Internet herunterladen:

Vorlage Bestandsbuch Querformat

Vorlage Bestandsbuch Querformat farblich

 

Wirksamkeit
Wenn man mit der Behandlung in den Januar hineingerät, läuft man zunehmend Gefahr, dass die Behandlung aufgrund eines wachsenden Brutnestes weniger wirkt: Ab dem 21. Dezember werden die Tage schon wieder unmerklich länger und wenn weitere Parameter, wie wärmeres Wetter, hinzukommen, fangen viele Völker schon wieder mit einem kleinen Brutnest an und acht Tage später sind die ersten Brutzellen gedeckelt, in denen die Varroen sich geschützt vermehren können. Zumal bei den heutigen Nutzbienen oft Zuchteinschläge von Bienen südlich der Alpen (Italienerbiene) zu erkennen sind und die Winter immer milder werden, wird es immer schwieriger, wirkliche Brutfreiheit der Völker abzupassen. Keinesfalls sollte man aber, wie oft zu lesen ist, die Völker im Winter auseinanderreißen, um die Völker auf Brutfreiheit zu kontrollieren: Das würde mehr schaden als nutzen, da eine fest sitzende Bienentraube für den Behandlungserfolg wichtig ist. Wenn man einige Tage vor dem geplanten Behandlungstermin die Bodenschieber reinigt, die bei uns ganzjährig geschlossen bleiben (siehe Bodenschieber), kann man auf diesen erkennen, ob frische Brutzelldeckel herabgefallen sind. In der Regel reicht aber besagte Drei-Wochen-Regel nach dem ersten Frost als Faustformel für die Terminierung. Im Zweifel ist auch eine späte Behandlung oder eine Behandlung trotz eines kleinen Brutnestes besser als gar keine.

 

Durchführung der Behandlung
Über das Anrühren, Aufziehen und Ausbringen der Oxalsäurelösung gibt es auf unserer Homepage schon eine ausführliche Anleitung: Winterbehandlung gegen die Varroa
Wichtig ist, bei der Winterbehandlung ohne Rauch zu arbeiten: Der Smoker bleibt aus! Die Bienentraube soll möglichst wenig gestört werden. Bei Rauchzufuhr würden die Bienen zudem unnötig viel Futter aufnehmen und ihren Stoffwechsel anregen, was auch den Darm belastet. Da die Bienen aber im Stock nicht abkoten, sollen sie gerade im Winter möglichst wenig gestört werden und schon gar nicht durch Rauch zur Futteraufnahme animiert werden. Im Sommer macht die Rauchzufuhr eher Sinn: Die Bienen füllen bei Brandgefahr ihre Honigblasen und stellen sich auf die Evakuierung des Stocks ein. In diesem Modus zeigen sie kaum Abwehrreaktionen. Wer friedfertige Bienen hält, lässt aber ohnehin häufig den Smoker aus.

Die mit Zucker fertig angerührte Säure-Lösung muss umgehend aufgebraucht werden, da sich zunehmend das für Bienen schädliche HMF bildet.

Wichtig ist im Umgang mit Säuren die richtige Schutzkleidung, wozu mindestens beim Ausbringen säurefeste Schutzhandschuhe gehören. Die eigentliche Behandlung pro Volk ist eine Minutensache und wird in nachstehendem Video demonstriert. Wenn die Bienentraube nicht so schön im oberen Magazin sitzt, muss man die obere Zarge ankippen.
Auf die Spritze haben wir einen Pipettenaufsatz gesetzt, um den Tröpfchen-Strahl feiner aufbringen zu können.

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Auffütterung der Bienenvölker

Anrühren der Zuckerlösung im Fass mittels Paddel
Anrühren der Zuckerlösung im Fass mittels Paddel

Welche Futtermittel?

Bis etwa 30 Völker kann man das Zuckerwasser ganz gut selbst anrühren und ggf. technische Hilfe, wie eine Umwelzpumpe oder eine Rührmaschine zu Hilfe nehmen.

 

Größere Nebenerwerbsimkereien und Berufsimkereien werden meist auf Fertigfuttersirup zurückkreifen und haben auch die Räumlichkeiten, diesen sachgerecht zu lagern. Die Kleinimkerei sollte sich das aber gut überlegen: In Spättrachtgegenden kann eine Auffütterung mit Sirup auch für sie sinnvoll sein, weil er fertig invertiert ist und schnell aufgenommen wird. Die Säureinvertierung  stellt aber zugleich auch ein Problem dar (s.u.), weswegen für uns als Hobby-Imkerei ohne Spättracht und entsprechend frühem Auffütterungstermin die Sirup-Alternative verworfen wird. Der Futtersirup hat auch weitere Nachteile!

 

Gründe, die gegen den Futtersirup sprechen:

  1. Vorhandenes Fertigfutter verleitet zur Überfütterung, während Haushaltszucker gezielt in der benötigten Menge angerührt wird. Überschüsse an Futtersirup, auch in Form fertiger Futterwaben, sollten aber nicht unbedarft weiter genutzt werden (vgl. Pkt. 3).
  2. Fertigfuttsirup muss bestellt oder im Fachgeschäft gekauft, fachgerecht gelagert und in voll abgenommener Menge noch in der gleichen Saison verbraucht werden, während Haushaltszucker jederzeit um die Ecke nachgekauft und im unangerührten Zustand quasi unbegrenzt gelagert werden kann. Durch die ständige Verfügbarkeit ergibt sich aber quasi das Lagerproblem gar nicht, das sich nur beim Futtersirup ergibt.
  3. Säureinvertierter Futtersirup kann vor allem bei zu warmer Lagerung die Gefahr zu hoher und damit für Bienen schädlicher HMF-Werte bergen. Man muss ihn also im kühlen Honiglager aufheben, bald verbrauchen und sollte ggf. die nach dem Winter entnommenen Futterwaben auch nicht mehr für Jungvölker einsetzen. Bei selbst gerührtem Zuckerwasser bestehen hingen keine Bedenken! (Siehe hierzu nachstehenden Link)
    Warnung des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Häufig wird zudem Futtersirup aus Weizen hergestellt, was u.U. marktethisch angesichts der globalen Ernährungslage problematischer ist als Futtermittel aus heimischen Zuckerrüben!

Dass der Zucker selbst angerührt wird, ist für uns in der erlebnispädagogischen Familien- und auch in der Schulimkerei eher ein Vor- als ein Nachteil. Schließlich wollen die Kinder beteiligt sein und etwas selbst machen. Für gezielte Reizfütterungen bei Jungvölkern und Ablegern lässt sich schön auch eine etwas dünnere Zuckerlösung herstellen. Etwaiger Räubereigefahr wird durch Fluglochverengung vorgebeugt! Preislich liegt man mit dem selbst gerührten Zucker wahrscheinlich sogar etwas günstiger. Gerade kurz vor oder zur Auffütterungszeit im Juli gibt es bei den Discountern meist die praktischen 2kg-Päckchen im Angebot.

 

Wann wird gefüttert?
Wer mehrere Völker zeitgleich aufzufüttern hat, füttert immer abends, damit keine unnötige Unruhe entsteht: Denn die Bienen schwirren direkt los um die Umgegend nach der vermeintlichen Trachtquelle abzusuchen und behelligen dabei auch gerne die Nachbarvölker. Bis zum nächsten Tag hat sich die erste Aufregung bereits gelegt. Bei dauerhaftem (Niesel)Regen kann man auch schon am Tag füttern, weil dadurch auch der Flug gehemmt ist.
Wir bemühen uns in dieser trachtlosen Zeit allen Völkern direkt an dem Tag, an dem wir sie abgeschleudert haben, auch abends schon wieder die erste Futtergabe zu geben, damit sie keine Not empfinden. Es ist für die Bienen sozusagen ein direktes Tauschgeschäft: Honig gegen Zuckerwasser. Da aber die Bienen nicht wirklich Not leiden und noch Vorräte im Brutraum haben, die wir belassen, ist es nicht schlimm, wenn wir erst am nächsten Abend zu den Völkern kommen, wenn wir das zeitlich nicht schaffen.

Die Futtergabe erfolgt bei den Vollvölkern i.d.R. in zwei Portionen im Abstand von mindestens einer Woche und ist meist noch im Juli abgeschlossen. Aber man kann auch die Varroabehandlung mit Ameisensäure nach der ersten Auffütterung anschließen, muss dafür aber die Fluglöcher öffnen und die Leerzargen abräumen oder zumindest die Säure entsprechend höher dosieren.

Doch wollen wir nicht zu spät im August noch die Bienen mit der Futterverarbeitung zu sehr strapazieren, da sich dann bereits die Winterbienen abarbeiten könnten. In Spättrachtgegenden ist das natürlich anders, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

 

Wie wird gefüttert?

In einem anschaulichen Erklärfilm haben wir es vorgemacht und erklären auch das Mischungsverhältnis sowie das Einbringen in die Bienenvölker:

 

Auffütterung der Bienen (Youtube-Film)

 

Zur Position des Eimer bzw. der Schüssel sowie der Abdeckfolie gibt es am Ende dieses Artikels noch einen Nachtrag (s.u.)!

Wie viel wird gefüttert?

In der Regel zu viel! Dabei überwintern die Bienenvölker schlecht, wenn alle Wabenzellen zugepackt sind. Das habe ich selbst einmal bei einem überfütterten Jungvolk, das nur auf einer Zarge saß, erlebt. Das Brutnest wird ggf. zu früh eingeengt (s.u.) und die Bienentraube muss dann lange in den den vielleicht kalten Unterboden durchhängen, weil sie nicht das ganze Futter im Winter mit erwärmen kann. Wer die Wintertraube einmal genauer beobachtet, stellt fest, dass immer nur ein Teil auf dem verdeckelten Futter sitzt. Die Futterverteilung in der Traube gelingt dennoch.

Umgekehrt kommt es selten vor, dass Völker tatsächlich verhungern. Man erkennt dies im Frühjahr daran, dass die Bienen kopfüber in den Zellen stecken. Wenn Ende Dezember die Tage bereits wieder länger werden, fangen manche Völker bereits wieder mit dem Brutgeschäft an und nicht jede Königin passt ihre Legeleistung den örtlichen Verhältnissen an. Bei großem Brutnest zehrt das Volk ungemein und muss auch das Brutnest wärmen. Bei Kälteeinbrüchen bleiben die Bienen treu auf der Brut und der Kontakt zu weiter entfernten Futterwaben reißt ab. So dass man verhungerte Bienen in der Beute findet, obwohl am anderen Ende vielleicht noch Futter hängt.

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Honigernte: Entnahme der Honigwaben, Entdeckeln und Schleudern

Einen ausführlichen Bericht und eine Anleitung zu den einzelnen Arbeitsschritten findet ihr in unserem früheren Beitrag

Honigernte

In nachstehendem Beitrag werden die Arbeitsschritte der Honigernte durch Filmbeiträge anschaulich erläutert. Weiter unten findet ihr Argumente gegen den Heißluftföhn und für einen Raumluftentfeuchter. Außerdem wird das Für und Wider des Absperrgitters beleuchtet.

 

Entnahme der Honigwaben

Endlich ist es soweit: Doch bevor es losgehen kann, müssen Schleuderraum und alle Gerätschaft geputzt bzw. gespült werden. Das macht man am besten schon ein oder zwei Tage vorher und lüftet gut, damit der Raum wieder schön trocken ist. Denn der Honig, der beim Schleudern zwangsläufig der Luft ausgesetzt ist, kann leicht Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Daher ist es sinnvoll, auch mit einem Luftentfeuchter die Feuchtigkeit im Schleuderraum rechtzeitig unter 55% zu halten (s.u.).

Wenn der Honig endlich reif ist und die Spritzprobe zeigt, dass er von den Bienen hinreichend eingedickt wurde, dürfen die Waben entnommen werden (siehe Video).

 

 

Entdeckeln und Schleudern

Wie laden euch zu einem virtuellen Besuch in unseren Schleuderraum ein. Hier erfahrt ihr die Geheimnisse eines guten Honigs:

Die Frühtracht in diesem Jahr fiel bereits relativ bescheiden aus und wir hofften auf viel Sommerhonig. Doch leider ist die Enttäuschung hier noch größer: Wir mussten lange warten, bis der Honig unseren Qualitätsanforderungen entsprach und er wirklich reif war. Doch das Warten fällt schwer, wenn täglich die Vorräte von den Bienen selbst weiter verzehrt werden. Entsprechend mager war nun auch das zweite Schleudern und es gab weniger Honig als in den Vorjahren.


Argumente gegen das Entdeckeln mit dem Heißluftföhn

Im Film sprechen wir uns klar gegen den Einsatz des Heißluftföhns in der Imkerei aus. Hier noch einmal die wichtigsten Gründe im Überblick:

  1. Energiefresser: Solch ein Heißluftföhn wird mit ca. 1,5 kW betrieben und läuft oft stundenlang durch!
  2. Umweltaspekt: Wenn wegen der Wachskleckerei, die mit dem Wegschmelzen der Zelldeckel verbunden ist, noch Plastikfolien ausgelegt werden, wie in einschlägigen Videos empfohlen, so passt das erst recht nicht mehr zum Naturschutzgedanken unserer Imkerei.
  3. Wachsgewinnung: Das Entdecklungswachs ist nebst dem reinen Bauwachs das wertvollste Wachs, das wir gewinnen können. Das schmilzt man nicht achtlos weg!
  4. Verbrennungsgefahr: Wenn die Imkerei als pädagogisches Projekt mit Kindern betrieben wird, hat ein Heißluftföhn dort erst recht nichts zu suchen. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch. Verbrennungen können bereits durch den Heißluftstrom erzeugt werden, bevor die Düse berührt wird! Da müssen selbst Erwachsene aufpassen.
  5. Gefährdungen des Honigs: Bei unsachgemäßer Handhabung ist es nicht auszuschließen, dass der Honig zu stark erwärmt wird. Das passt schlecht zum schonenden Umgang. Außerdem wird die Raumluft ungefiltert durch das staubige Gerät, das gar nicht zur Lebensmittelgewinnung gedacht ist, auf die offenen Zellen gepustet.
  6. Entfremdung: Bei unserem Hobby wollen wir uns bewusst den Düften und Gerüchen des Honigs und der Waben aussetzen, die Arbeit der Bienen (auch ihr mühevoll aufgebotenes Wachs) wertschätzen und nicht im industriellen Schnelldurchlauf aus Rationalisierungsgründen das Wachs wegpusten. Vielmehr soll jedes Kind Gelegenheit bekommen, durch haptische Wahrnehmungen dem Wunder näher zu kommen und eigene Erfolge durch das Entdeckeln zu erzielen. Das hat durchaus etwas Kontemplatives bzw. Meditatives.
  7. Bessere Alternativen: Wer viele Völker bewirtschafet, findet professionelle mechanische Entdecklungsmaschinen, die mit Bürsten, Messern oder gespannten Drähten arbeiten, die m.E. dem Heißluftföhn trotz der hohen Anschaffungskosten vorzuziehen sind.

 

Argumente für einen Luftentfeuchter

Der Schleuderraum muss eine geringe Luftfeuchtigkeit aufweisen, sonst zieht der Honig beim Verarbeitungsvorgang Wasser! Das Lüften während des Schleuderns gestaltet sich jedoch schwierig, da die Gerüche die Bienen anziehen. Selbst wenn ein bienendichtes Gitter oder Netz vors Fenster gespannt ist, wird man durch das Schleudern für Unruhe im Umfeld sorgen. Ohnehin ist die Luftfeuchtigkeit draußen nicht zwangsläufig niedriger. Gerade bei uns in Küstennähe haben wir mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu tun. Wer die auf dieser Homepage (siehe "Stockwaage") mitgelieferten Wetterdaten für Emden verfolgt, der sieht, dass auch an regenfreien Tagen selbst im Sommer die Luftfeuchtigkeit meist um die 90%(!) beträgt und nur um die Mittagszeit für wenige Stunden auf annehmbare Werte unter die 60% oder auch 50% abfällt. Das macht den Bienen auch die Trocknung im Stock so schwierig und ich spreche mich an dieser Stelle auch noch einmal deutlich für das Belassen der Bodenschieber aus, damit die Bienen die Luftfeuchtigkeit im Stock über das Flugloch selbst regulieren können. Bei offenen Bodenbrettern wären die Waben die Mehrzeit des Tages zu hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt!

Ein Luftentfeuchter, wie wir ihn im voranstehenden Film zeigen, ist inzwischen auch für kleine Hobbyimkereien erschwinglich und zur Trockenhaltung des Schleuderraumes (und ggf. später auch des Honiglagers) äußerst hilfreich. Der Anschaffungspreis ist dabei davon abhängig, welches Raumvolumen entfeuchtet werden muss. Der renomierte Wissenschaftler und Leiter des LAVES Institus für Bienenkunde in Celle Prof. Dr. Werner von der Ohe empfiehlt die Luftentfeuchtung in einem Interview sogar dringend (vgl. S. 20/21 in bienen&natur 5/2020). Er führt aus, dass die Luftfeuchtigkeit beim Schleudern möglichst unter 55% gehalten werden solle, damit der Honig kein Wasser zieht. Bruno Binder-Köllhofer (Fachberater) empfiehlt sogar, die Raumluft auf unter 50% zu entfeuchten, wenn Waben dort auf die Schleuderung warten (S. 17 im selben Heft).
Wir haben unseren Luftentfeuchter während des Schleudervorgangs daher auf 50% eingestellt, wobei er sich dann in einem Toleranzbereich bis etwa 54% bewegt, bis er sich wieder einschaltet. Im Video demonstrieren wir, dass sogar niedrigere Einstellwerte möglich sind. Das Kondenswasser wird über einen Ablaufschlauch direkt in ein Boden-Gully geleitet.

Während die Raumluftentfeuchtung ausdrücklich geboten ist, darf man den Honig aber später nicht gezielt mit Trocknungsmaschinen entfeuchten oder etwa durch Gebläse, die die trockene Raumluft über die Waben oder Honiggefäße pusten, bearbeiten. Dabei würde man dem Honig nämlich auch andere Stoffe, z.B. Aromen, entziehen!

Bei der Frühtrachternte wären wir vielleicht auch ohne Luftentfeuchter ausgekommen, da der Honig sehr trocken war. Der im relativ nassen Juli geerntete Honig hatte aber Messwerte, die z.T. an die 18% reichten. Da wäre eine weitere Feuchtigkeitsaufnahme im Sinne der DIB-Kriterien gefährlich.

 

Imkern ohne Absperrgitter

Es geht auch ohne, wie das nachstehnde Video zeigt:

Eine Bauanleitung für die Naturbeute findet ihr hier:

Beutenbau: Nordische Naturbeute

Bei unseren selbst gezimmerten Naturbeuten legen wir teilweise keine Absperrgitter ein: Die billigen zuschneidbaren Plastikabsperrgitter gefallen nämlich den Bienen offenbar nicht so gut und sie gehen nicht so gerne in den Honigraum hoch, lagern z.T. lieber Honigkränze unterm Gitter ab. Wahrscheinlich sind die gestanzten Durchgangsschlitze unbequem und scharfkantig. Außerdem liegt das Gitter direkt auf den Rähmchen bzw. deren Oberträgern auf, so dass nur die passenden Schlitze genau über den Wabengassen passiert werden können. Man kann das Problem umgehen, indem man höherwertige Absperrgitter mit Rundstäben kauft und diese noch besser in einen passenden Rahmen auf Zargenbreite angepasst sind, der den Abstand zu den Rähmchen hält. Bei guten Trachtverhältnissen und starken Völkern reichen durchaus auch die billigen Absperrgitter und der Honigraum wird angenommen.
Zur Naturimkerei passt aber das Imkern ohne Gitter vielleicht sogar besser. Wir haben es jedenfalls bei einigen Völkern ausprobiert. Frühtrachthonig konnten wir so jedoch nicht ernten: Zu dieser Zeit waren die oberen Waben noch mit dicken Brutnestern bestückt. Erst jetzt in der zweiten Julihälfte war das Brutnest weitgehend bis in die mittlere Zarge heruntergewandert, so dass die oberen Waben mit dem Honig entnommen werden konnten. Aber oft mussten auch jetzt noch dicke Honigwaben, die unten noch etwas Brut aufwiesen, statt sie zu ernten umständlich andernorts im Volk untergebracht werden: Dazu haben wir die Brut-Zargen getauscht, so dass die mittlere Zarge nach unten aufs Bodenbrett kam und die untere eine Etage höher, nach oben: Hier konnten nun (weitgehend) leere Waben entnommen und dafür volle aus dem Honigraum mit etwas Brut am unteren Rand über das nun nach unten gerückte Brutnest gehängt werden.

FAZIT: Das Imkern ohne Absperrgitter ist umständlicher und man erntet bei hiesigen Trachtverhältnissen (keine Massentracht) deutlich weniger Honig. Vor allem gibt es keinen reinen Sortenhonig, sondern eine Ganzjahresmischung!

 

Honig aus schon einmal bebrüteten Waben

Einem anderen Argument, das sonst noch für Absperrgitter vorgebracht wird, sei an dieser Stelle aber noch einmal widersprochen: Es ist nicht zwangsläufig von Nachteil oder unhygienisch , wenn der Honig in schon einmal bebrüteten Zellen eingelagert wird: Nachweislich wird der Nektar, bis er endlich zu Honig wird, im Volk umgetragen und aufmerksame Imkerinnen und Imker haben schon solche Bereiche frisch eingetragener Tracht im Brutraum vorgefunden. Es ist also nicht vermeidbar, dass der Honig mit Brutzellen in Kontakt kommt, selbst wenn im Honigraum ausschließlich unbebrütete Waben untergebracht sind. Da schlüpfende Bienen Häutchen in der Zelle hinterlassen, mit denen alte Hinterlassenschaften gut versiegelt werden, und nach dem Schlupf auch ihre Zelle gut putzen, ist das grundsätzlich eine saubere Sache. Vielmehr kann in "frischem Wachs", wie es den Bienen in Form von Mittelwänden angeboten wird, die eigentliche Gefahr lauern: Bienenwachs ist teuer und wird global gehandelt. Die zugekauften Mittelwände, die die Bienen dann zu neuen Honigwaben ausbauen, können so schon eine Vielzahl dubioser Schadstoffe enthalten, denn oft wird das Wachs beim Aufkauf und der Umarbeitung lediglich auf Paraffin-Verunreinigungen untersucht und vielleicht noch durch Hitze entseucht, aber längst nicht auf alle Chemikalienrückstände geprüft. Das Wachs nimmt sehr leicht Fremdstoffe auf und gibt sie auch wieder an den Honig ab! Daher sollte man stets sein eigenes Wachs umarbeiten lassen oder gleich selbst das Wachs verarbeiten. Keinesfalls sollte man ungeprüften billigen Internetangeboten auf den Leim gehen!

Nützliche Links zum eigenen Wachskreislauf:

Dampfwachsschmelzer selbst bauen und betreiben

Wachsverarbeitung - Wachsklärung

Mittelwände selbst gießen

 

Wabenhygiene

Was bebrütete Waben im Honigraum anbelangt, so ist es natürlich ein Unterschied, ob frische diesjährige Waben, die ein- oder zweimal bebrütet wurden, oder alte umgehängte stockige Waben, die seit Jahren ein Randwabendasein im Bienenstock fristen, plötzlich als Honigwabe herhalten sollen. Dieser Beitrag darf daher nicht als Alibi mangelnder Wabenhygiene verstanden werden!

 

Wabenhygiene

 vSa

Das Flügelstutzen und Kennzeichnen der Königin

Flügel stutzen

Die Königinnen der Ameisen werfen die Flügel nach dem Hochzeitsflug von alleine ab, die der Bienen behalten sie, um im Folgejahr schwärmen zu können. Beim Schwärmen fliegt ein Großteil des Volkes mit der Königin davon. Wir wollen natürlich die Bienen behalten und imkern daher möglichst schwarmfrei.
Sollten wir nicht aufgepasst haben und die Bienen dennoch schwärmen wollen, so taumelt die Königin mit gestutztem Flügel zu Boden und der Schwarm bleibt ganz in der Nähe. Sollte man nicht rechtzeitig zugegen sein, so ziehen sich die Bienen in den Stock zurück und schlimmsten Falls ist die alte Königin verloren. Das gefährliche Klettern in schwindelerregende Höhen, um den Bienenschwarm wieder einzufangen, gehört so jedenfalls der Vergangenheit an, wenn man nicht auch noch den Nachschwarm mit einer neuen Königin ausziehen lässt. Das Stutzen einer Flügelspitze ist keine Quälerei: Der Königin tut das nicht weh und bei Arbeitsbienen fransen die Flügelenden im Verlauf ihrer Sammelflüge ohnehin immer mehr aus, so dass das Einkürzen der Flügel dort von alleine vorkommt. Die Ameisenkönigin verlieren, wie gesagt, sogar von alleine die Flügel, weil sie sie nicht mehr brauchen.

(Zur Praxis des Flügestutzens vgl. z.B. auch Klaus Nowottnick: Flügel-Stutzen, in Die Biene 4/1992, S. 208-210!)

Das Stutzen eines Flügels sollte vor dem Aufkleben des Zeichenplättchens erfolgen. In umgekehrter Reihenfolge läuft man Gefahr, dass das noch frisch aufgeklebte Zeichenplättchen wieder abgestreift wird. Wenn die Königin bereits vor dem Hochzeitsflug gekennzeichnet werden soll, was beim Beschicken von Belegstellen üblich ist, so kann man ihr erst später den Flügel kürzen und muss sie erneut abfangen. Wenn sie erst eine Weile in Eiablage ist, wird sie auch behäbiger.

In diesen Erkärvideos seht ihr, wie es gemacht wird:

Nachtrag zum Flügelstutzen (24.7.2020)

Zur Klarstellung muss noch einmal erwähnt werden, dass hier nicht vom Flügelstutzen bei Vögeln die Rede ist und auch nicht damit vergleichbar ist. Das hier gezeigte Verfahren steht auch nicht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz. Die Bienenkönigin nutzt ihre Flügel im Stock nicht, den sie auch freiwillig nicht verlässt! Die hier gezeigte Praxis wird vielmehr vielfach in der Fachliteratur empfohlen, wozu ich auch obigen Literaturverweis angeführt habe.

Ich zitiere hier auch noch den nicht nur von Buckfast-Imkereien vielgeschätzten Bienenvater Bruder Adam, der den Zweck in seinem bekannten Kasseler Vortrag schön auf den Punkt bringt:

"Ich hätte eigentlich schon vorher erwähnen sollen, dass bei uns nie eine Königin zugesetzt wird, ohne dass ein Flügel gestutzt ist. Dies verhindert das Schwärmen nicht, aber ein Schwarm kann nie durchbrennen, muss immer wieder zurück ohne eine Königin. Das Stutzen der Flügel erspart den Verlust vieler Schwärme sowie aller Gefahren, Mühe und Arbeit, die mit dem Einfangen verbunden sind. Ich weiß, was das bedeutet. Unsere Umgebung ist baumreich. Einen Schaden oder Nachteil — durch das Stutzen der Flügel verursacht — habe ich in 40 Jahren nie bemerkt. Ein Großimker mit vielen Außenständen könnte ohne diese einfache Vorsichtsmaßnahme kaum mit Erfolg imkern. In der Tat, das Stutzen der Flügel wird bei uns als eine elementare Selbstverständlichkeit angesehen." (http://www.pedigreeapis.org/biblio/artcl/BAKassel60de.html)

Das von Bruder Adam vorgebrachte Argument zählt bei heutigen Stadtimkereien umso mehr: Ein Schwarm im Kaufhauseingang oder an der Kreuzungsampel ist noch weitaus ärgerlicher als einer im Baum!
Der renomierte Lehrmeister und Praktiker Karl Weiß hat es u.a. in seinen Werken Der Wochenend-Imker und Neue Imkerschule gelehrt und selbst in den jüngsten Werken zur Königinnenzucht wird das Flügelschneiden als Praxisbaustein besprochen. Gilles Fert und Klaus Nowottnick widmen in ihrem Buch Königinnen-Zucht. Praxisanleitungen für Imker immerhin ein kurzes bebildertes Kapitel dem Flügelschneiden.

Es hat seine Gründe, dass erfahrene Praktiker sich für ein Flügelstutzen aussprechen! Die Ablehnung kommt hingegen oft aus Unkenntnis oder aus mangelndem Mut, es selbst zu lernen. Die Ablehnung der Praxis kommt heute auch von Massenlieferanten in der Königinnenzucht, die den Aufwand nicht betreiben können (die Königin wäre zu teuer) oder bei der Akkordarbeit der Massenabfertigung dann doch Gefahr laufen würden, Königinnen zu verletzen. Das hat mit dem hier gezeigten behutsamen Vorgehen aber nichts zu tun. Die Königin und ihr Gefolge stört sich eher am Farbplättchen als am gestutzen Flügel: Die Bienen im Gefolge versuchen sehr wohl, den Rücken der Königin zu reinigen, wie ich oft beobachtet habe, und bloße Farbe wird über kurz oder lang sogar abgetragen, so dass Zeichenstifte nur begrenzte Wirkung zeigen. Die Königin muss mit ihrem neuen Rückenranzen bei der Eiablage bis zu 2000 Zellen täglich prüfen. Wenn sich also Leute gegen das Zeichnen der Königin aussprechen, kann ich das noch eher verstehen. Noch nie habe ich aber in all den Jahrzehnten, in denen ich das Flügelschneiden schon praktiziere, beobachtet, dass sich eine Biene auffällig mit dem gestutzten Flügel beschäftigt hätte oder es gar nach dem Stutzen zur Ablehnung und Umweiselung im Volk gekommen wäre. Mir ist - wie Bruder Adam - kein Nachteil bekannt:

Auch in der hier gezeigten Imkerpraxis lässt sich der Schwarm vorwegnehmen und mit der Königin lassen sich sogar noch Kunstschwärme bilden, indem man sie im Käfig aufhängt usw. Eine unreflektierte willentliche Schwarmimkerei ist in den meisten Gegegenden - nicht nur in Stadtimkereien - hingegen fahrlässig und gar nicht möglich. Einzig, wer nach strengen Bio-Richtlinien imkert, die z.T. auch Rähmchen im Brutraum ablehnen (Demeter), darf der Königin keinen Flügel stutzen. Ich stelle das meinen Kursteilnehmern frei, demonstriere es aber und empfehle es auch ausdrücklich: Der Ärger und der Schaden, der durch wilde Schwärme verursacht werden kann (angefangen von der Varroa-Verbreitung und Seuchenverschleppung bis hin zu Feuerwehreinsetzen und stillstehenden Straßenbahnen, weil der Schwarm an der Oberleitung hängt usw.) ist nicht zu unterschätzen und das wilde Volk oft dem Verderb preisgegeben. Wer will diese Verantwortung tragen? Auch kann bei Hobby-Imkerinnen und Hobby-Imkern, die einem anderen Hauptberuf nachgehen, nicht sichergestellt werden, dass sie in der Schwarmzeit wöchentlich nach ihren Bienen schauen und sichere Schwarmverhinderung betreiben: Da spielt schon das Wetter nicht immer mit.

Ich spreche also noch einmal die klare Empfehlung aus: Wenn man sich schon die Mühe macht, die Königin zum Zeichnen abzufangen, so sollte man ihr auch gleich einen Flügel einkürzen.

 

geeignete Hilfsmittel

Mit einem Zeichenröhrchen gelingen beide Arbeitsschritte schnell und zuverlässig. Man sollte aber ein Zeichenröhrchen mit Absperrgitter (4,2 mm breite Schlitze) nehmen, keines mit Netz: Beim Netz ist das Stutzen des Flügel nämlich etwas komplizierter, weil der Flügel ggf. erst durchs Netz gefädelt werden muss.
Wer die Königin mit bloßen fingern abfangen und festhalten will, darf sie nur am Bruststück (Thorax) festhalten und sollte zumindest keine kittharz-verschmierten Finger haben, was schwierig ist, wenn man zuvor die Waben gezogen hat. Außerdem ist der Stress für die Königin wahrscheinlich größer und ihr könnten menschliche Fremdgerüche anhaften. Auch verlaufen im Hinterleib die Eierstöcke mit den empfindlichen Eileitern: Angeblich könnte ein erhöhter Druck zum Verkleben der äußeren Eileiter und damit zu schlechterer Legeleistung der Königin führen. Die kolportierte Studie habe ich selbst jedoch nicht gefunden und kann hier nur Hörensagen wiedergeben (vgl. hierzu Video von Dirk Unger). Jedenfalls bleibt man mit der hier gezeigten einfachen Methode auf der sicheren Seite.

 

Farben der Zeichenplättchen

Die Farben werden von Jahr zu Jahr dunkler, so dass man sie sich leicht merken kann. Sie wiederholen sich alle fünf Jahre. So geht es weiter:

2021 weiß

2022 gelb

2023 rot

2024 grün

2025 blau

 

In einem früheren Beitrag sind die Abläufe noch genauer schildert:

Stockmutter stets signiert

 vSa

Reifeprüfung: Spritzprobe

Voll gedeckelte Honigwaben verheißen reifen Honig. Hier erübrigt sich die Spritzprobe.
Voll gedeckelte Honigwaben verheißen reifen Honig. Hier erübrigt sich die Spritzprobe.

Die Frage des Wassergehaltes

Die Tracht geht zu Ende, die Linden in unserer Straße sind verblüht, der Schleuderraum geputzt und die Gerätschaften gespült und trotzdem heißt es warten, weil der Wassergehalt im Honig noch zu hoch ist. Nach den Qualitätskriterien des Deutschen Imkerbundes dürfen maximal 18 % Wasser im Honig enthalten sein! Unser Ziel ist es, diesen Wert noch zu unterbieten.

 

Erfahrungsgemäß endet bei uns die Tracht Anfang Juli und ab dem 10. Juli wird der Schleudertermin gesucht. Auch dieses Jahr sind die meisten Drohnen bereits aus den Völkern vertrieben und die Völker verlieren zumindest laut der Stockwaage in Emden an Gewicht. Dennoch sollte man den Völkern genügend Zeit lassen, um die Reifung des Honigs zu vervollkommnen, auch wenn man unterm Strich dann weniger erntet. Qualität geht vor.


Die Zeit drängt, weil man noch in Urlaub fahren und die Varroabehandlung mit Ameisensäure beginnen will. Da ist man vielleicht versucht, den Honig zu früh zu ernten. Mit der Spritzprobe kann man den Reifegrad des Honigs leicht herausfinden.

 

Die Spritzprüfung mit einer Honigwabe

Den genauen Wassergehalt kann man mit dem Refraktometer messen. In der Regel reicht aber bereits die Überprüfung der Randwaben im Honigraum mittels Spritzprobe: Dort findet sich der zuletzt eingetragene Nektar.

Joel zeigt euch hier im Video, wie es geht:

 

Im nachstehenden kurzen Filmchen sieht man es noch besser:

 Beide Filme sind am Montag, den 13. Juli 2020 aufgenommen worden.

 

Reifezeit

Der Honig bleibt einfach noch einige Tage im Volk, um voll zu reifen und zu trocknen. Die Bienen verarbeiten ihn, tragen ihn nach und nach enger zusammen und deckeln ihn. Ein Wochenende später hat man dann hoffentlich mehr Glück und kann schönen reifen Honig ernten. Das ist allemal besser, als später gärigen Honig im Fass zu haben.

 

Ursachen und Tricks

Die richtige Tageszeit wählen: Morgens nach einer hoffentlich trockenen Nacht findet sich kaum frischer Nektar im Volk. Die Sammelbienen sind noch nicht von ihren Flügen zurück und über Nacht konnte vorher Eingetragenes bereits weitgehend getrocknet werden. Das ist aber gerade bei den feuchten Nächten in Ostfriesland und unserer hohen Luftfeuchtigkeit keinesfalls garantiert: Die Messungen an unserer Schul-Stockwaage zeigen nachts oft weit über 90% Luftfeuchtigkeit, wie ihr selbst auf dem entsprechenden Link dieser Homepage sehen könnt. Wenn dann noch die Bodenschieber offen bleiben und die Völker über offenen Lüftungsgittern sitzen, klappt die Feuchtigkeitsregulierung meiner Ansicht nach noch schlechter, weil die Bienen das kaum steuern können.

 

Regentage abwarten: Bei anhaltender Tracht können Regentage durchaus helfen, dass der vorher eingetragene Nektar eingedickt wird. Wenn es aber Tag und Nacht durchregnet und permanent hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht, ist das keinesfalls gesagt. Besser sind trockene Tage bei abeschlossener Tracht. Daher sind Trachtbeobachtungen und Erfahrungswerte wichtig.

 

Wenn zu wenig freier Platz im Volk ist und keine Zellen zum Umtragen zur Verfügung stehen, fällt es den Bienen schwerer, den Honig zu trocknen. Aber die Waben müssen auch gut mit Bienen besetzt sein, damit die Verarbeitung klappt: Daher sollte man ggf. eher ein paar bereits gedeckelte Waben gegen Leerwaben tauschen, bevor man gleich einen zweiten Honigraum aufsetzt.

 

Flugloch beim Honigraum: Früher hatten die Beuten oft ein zweites bodenfernes Flugloch im Honigraum, über das die Bienen die Feuchtigkeit noch besser regulieren konnten und dort auch ein- und ausflogen. Unsere selbst gebauten Holzbeuten haben ein solches Flugloch im Deckel, das geöffnet werden kann:

Anleitung zum Beutenbau mit einfachen Mitteln

Ich selbst habe in den 80er Jahren noch mit Blätterstöcken geimkert, die ein Honigraum-Flugloch hatten.

 

Exkurs: Damals hängte man auch regelmäßig Brutwaben von unten über das Absperrgitter um, wodurch der Honigraum besser angenommen wurde. Die so nach oben gelangten Drohnen konnten durchs obere Flugloch leicht abfliegen. Heute hängt man keine Waben mehr um: Zum einen macht das viel Mühe und bei zweizargigen Bruträumen ist das auch platzmäßig nicht mehr nötig. Man gibt auch vor, dass der Honig so nicht mehr mit bereits bebrüteten Waben in Kontakt komme, was hygienischer sei. Das stimmt so aber nicht: Der Nektar wird, wie bereits beschrieben, im Stock mehrfach umgetragen und bei den heutigen Beuten auch zunächst im Brutraum(!) zwischengelagert. Bevor er im Honigraum ankommt, kann der Honig bzw. noch frische Nektar zuvor also durchaus in ehemaligen Brutzellen gelagert haben, was aber überhaupt nicht schlimm ist: Die schlüpfenden Bienen hinterlassen Häutchen, mit denen die Zellen frisch versiegelt werden. Die Lagerung des Honigs in reinen unbebrüteten Wachswaben kann hingegen Gefahren bergen, wenn die Imkerei keinen eigenen Wachskreislauf unterhält und Mittelwände aus Fremdwachs zukauft: Das Wachs nimmt Fremdstoffe, etwa Medikamentenrückstände, auf und gibt diese auch wieder ab. Auch deshalb unterziehen wir uns der Mühe, unser Bienenwachs selbst zu Mittelwänden für den Wabenbau zu verarbeiten.

Wachsverarbeitung: Anleitung zum Mittelwandgießen

 

Was tun, wenn man trotzdem abschleudern muss?

Wenn man gezwungen ist, zu schleudern, weil die Zeit drängt, so kann man die Waben mit dem unreifen Honig im Volk (Brutraum) belassen  und auf deren Ernte verzichten oder aber gesammelt einem Volk, das noch nicht aufgefüttert wird, zur Reifung überlassen. Da man aber immer alle Völker eines Standes gleichzeitig auffüttern soll, um die Räuberei zu vermeiden, ist das schwierig und umständlich: Man müsste die tropfenden Waben bienenfrei machen und transportieren.

 

Ausblick: Das Honigschleudern

Wer schon so weit ist und erntereifen Honig in den Waben hat, findet hier Hinweise zum Honigschleudern:

Honigernte: Erklärungen und Dokumentation aus dem Jahr 2018

 vSa

Pflanzenportrait: Über den grünen Klee gelobt

Weißklee (trifolium repens)  ist bei Bienen besonders beliebt und bereichert jeden Rasen! Als Eiweißträger wird er als wertvolle Futterpflanze in der Landwirtschaft geschätzt.
Weißklee (trifolium repens) ist bei Bienen besonders beliebt und bereichert jeden Rasen! Als Eiweißträger wird er als wertvolle Futterpflanze in der Landwirtschaft geschätzt.

Weißklee

Von den hunderten Kleearten verstecken sich auch einige im Garten:

Zwischen den Gräsern im Rasen und etlichen Wiesen blüht fast unscheinbar der Weißklee, der bei Bienen besonders beliebt ist. Er verträgt durchaus auch das Abmähen und blüht dann auf kurzen Stängeln. Barfußläufer im Freibad sind so vielleicht versehentlich auch schon einmal auf eine Biene getreten. Das sollte jedoch kein Grund sein, den Klee im eigenen Rasen zu bekriegen: Bereichert er doch den Wert des Grünlandes ungemein.

Zum einen bietet er Hummeln und Bienen vom Frühjahr bis in den September wertvollen Nektar und Pollen, sammelt zum anderen aber auch Sticktoff aus der Luft im Boden und zählt so zu den Bodenverbesserern. Durch seinen hohen Eiweißgehalt gewinnt der Klee in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Eiweißgehalt in der Trockensubstanz wird vom Bildungs- und Wissenszentrum Aulendorf (Staatliche Lehr- und Versuchsansltalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft) mit 18 bis 22 % angegeben (Wilhelm Wurth: Kleegrasanbau - Agrarreform schafft Spielraum, Aulendorf 2006, S. 2).

Als Stickstoffsammler kommen Kleearten mit kargen Böden aus und wachsen auch wie hier bei uns auf dem Hof zwischen Pflastersteinen.
Als Stickstoffsammler kommen Kleearten mit kargen Böden aus und wachsen auch wie hier bei uns auf dem Hof zwischen Pflastersteinen.

Rotklee

Auch der Rotklee (trifolium pratense) wird den meisten bekannt sein. Wie andere Kleearten gibt er sich als Stickstoffsammler mit kargen Böden zufrieden und wächst auch zwischen Pflastersteinen. Maurizio und Schaper schreiben jedoch, dass er "auf mittelschweren bis schweren neutralen Lehm- und Tonböden" vorkomme (Anna Maurizio und Friedgard Schaper: Das Trachtplfanzenbuch. München 1994, 4. Auflage, S. 131).

 

Sojaersatz
In der Landwirtschaft dient auch der Rotklee als Beimischung im Kleegrasanbau als wertvoller Eiweißlieferant (s.o.). Den höheren Eiweißgehalt freilich bietet die Luzerne (medicago sativa) mit 25% i.TS (Wilhelm Wurth aaO, s.o.), die zunehmend als Futterpflanze in der Landwirtschaft an Bedeutung gewinnt, um sich von den Sojalieferungen aus Übersee unabhängig zu machen. Steigendes Umweltbewusstsein bei Konsumenten steht Sojaimporten als Viehfutter entgegen und Landwirte müssen sich z.T. gegenüber ihren Molkereien verpflichten, auf Sojafütterungen zu verzichten. Es gibt auch attraktive Zuschüsse und Förderprogramme in der Landwirtschaft für das Anpflanzen von alternativen eiweißhaltigen Futterpflanzen. Letztlich bietet das auch eine Chance für Bienen und Imkerschaft.

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Blühreport Juni 2020

20.06.2020: Die ersten Lindenblüten werden beflogen.
20.06.2020: Die ersten Lindenblüten werden beflogen.

Hoffen auf die Linde

Das Frühjahr war trocken und die beschriebenen Pflanzen der Blühfelder, die unser Landwirt als Zwischenfrucht angebaut hatte, ließen bisweilen mächtig die Köpfe hängen. Entsprechend verhalten war auch die erste Honigernte an Pfingsten (1. Juni). Auch im Raps soll es nicht besser gewesen sein, wie mir berichtet wurde, so dass wir nicht traurig sind, dieses Jahr nicht in den Raps gewandert zu sein. Die Linde, auf die wir nun hoffen, bildet bei uns meist die Haupttracht: Sie ist dieses Jahr am 19./20. Juni erblüht und damit nur ein bis zwei Tage später als voriges Jahr. Erfahrungsgemäß endet die Tracht Anfang Juli. Die Drohnenschlacht beginnt meist pünktlich am 1. Juli und um den 10. Juli, wenn der Honig reif und gedeckelt ist, wird abgeschleudert und auch sofort aufgefüttert.

 

Trachtlücke

Die Rosskastanien, die im Mai blühten, konnten die Völker wenigstens noch selbst ernähren. Aber schon seit Ende Mai herrscht Trachtmangel. Die Stöcke werden täglich leichter. In einigen Völkern habe ich zur Überbrückung der Trachtlücke sogar wieder Futterwaben zuhängen müssen, obwohl wir beim Schleudern die Randwaben im Honigraum belassen: Aber stark brütende Völker haben z.Z. einen enormen Eigenbedarf.

Die Brombeere blüht sehr lange (bis in den August hinein). Auf diesem Bild vom 20.6.2020 sieht man links noch geschossene Knospen, während die Blüten rechts bereits dem Fruchtansatz weichen.
Die Brombeere blüht sehr lange (bis in den August hinein). Auf diesem Bild vom 20.6.2020 sieht man links noch geschossene Knospen, während die Blüten rechts bereits dem Fruchtansatz weichen.

Brombeere

In der Stadt (Emden) erblühte die Brombeere bereits in der letzten Maiwoche, während sie bei uns auf dem Lande erst eine Woche später, in der ersten Juniwoche erblühte: Sie wurde beiderorts gut beflogen, brachte aber bisher wenig Nektar. An den beige-grauen Pollenzellen der Waben und den Höschen der Bienen kann man aber sehen, dass der Pollenertrag der noch immer blühenden Brombeere recht gut gelingt, während der Nektarertrag an trockenen Tagen schwierig scheint.

 

Himbeere

Parallel blüht in den Gärten und den wilden Wiesenrändern noch ein anderes Dornengestrüpp, das uns auch bald mit seinen Früchten erfreuen wird: Die Himbeere (s.u.) ist bei uns im Garten schon fast gänzlich verblüht. Es gibt aber auch spätere Sorten.

 

Bilddokumentation vom 20./21. Juni:

Bild 1: Die Himbeeren zeigen zur Sonnenwende schon guten Fruchtansatz.

Bild 2: Die meisten Blüten der großen Linde sind noch geschlossen. Das große Fressen kommt noch!

Bild 3: Die Eisheiligen haben Frostschäden an unserer Esskastanie hinterlassen. Die Blütenspitzen sind verfroren. Während in der Pfalz die Esskastanien bereits in voller blühte stehen, tut sich hier noch nichts!

Bild 4: Auch unsere Kiwi zeigt Frostschäden. Die Pflanzen konnten sich zwar teilweise erholen, aber die Blütenpracht fällt dieses Jahr spärlicher aus. Die ersten Kiwi-Blüten zeigten sich bei uns am 14. Juni. und am 23. waren alle bereits wieder verblüht.

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Blühreport Mai 2020

Rosskastanie unseres Nachbarn, aufgenommen am 3. Mai 2020
Rosskastanie unseres Nachbarn, aufgenommen am 3. Mai 2020

Kastanie als Haupttracht im Mai

Ende April erblühte bei uns in Ostfriesland dieses Jahr bereits die Kastanie (Aesculus hippocastanum) und bildet z.Z. noch die Hauptquelle für unsere Bienen. Sie gilt als guter Trachtbaum und wird mit dem Wert "3" sowohl als Nektarlieferant als auch für Pollen auf einer Skala von 1=gering bis 4=sehr gut von Günter Pritsch angegeben (vgl. Günter Pritsch: Bienenweide. 200 Trachtpflanzen erkennen und bewerten, Stuttgart 2007, S.  111 sowie ders. als Co-Autor im Lehrbuch von H. Kettner: Grundwissen für Imker. Lehrbuch für die sozialistische Berufsausbildung, Ost-Berlin 1981, S. 161). In so trockenen Frühjahren, wie auch in diesem, können große Bäume, die entsprechend tief Wurzeln, mehr bewirken als so manches Blühfeld. Maurizio und Schaper schreiben in ihrem Trachtpflanzenbuch: "Die Roßkastanienblüten sondern große Mengen hochkonzentrierten Nektars ab. Es werden in 24 Stunden je Blüte 1,0-5,0 mg Nektar mit einem Zuckergehalt von 40-76% abgesondert, was einer täglichen Zuckerproduktion von 0,6-2,7 mg entspricht." (Anna Maurizio und Friedgard Schaper: Das Trachtpflanzenbuch. Nektar und Pollen - die wichtigsten Nahrungsquellen der Honigbiene, München 1994(4), S. 273). Die Rosskastanie gilt auch als Kittharzlieferant, den die Bienen vor allem im Herbst an den schon neu gebildeten Knospen sammeln. Zur Zeit erkennt man den guten Kastanienbesuch daran, dass die Bienen mit ziegelroten Pollen in den Stock fliegen. In einem früheren Beitrag habe ich den Baum bereits vorgestellt: Rosskastanie

 

25.04.2020. Die Kirschbäume verblühen nach dreiwöchiger weißer Pracht.
25.04.2020. Die Kirschbäume verblühen nach dreiwöchiger weißer Pracht.

Obstblüte endet

Die Frühjahresentwicklung war dieses Jahr besonders früh: Die Hasel blühte bereits im Januar, Ende Februar folgten Schlehe und Wildkirsche.

Die Pflaumen und Birnen erblühten Ende März.  Die Kirschbäume erblühten um den 12. April und verblühten nach etwa drei Wochen Anfang Mai. Jetzt, in der vorletzten Maiwoche, blühen von den Obstbäumen nur noch späte Apfelsorten.

Durch die sehr zeitige Frühjahresentwicklung in diesem warmen Frühjahr 2020 zieht sich das Trachtangebot für die Bienen bereits über einen langen Zeitraum, während in anderen Jahren bei spätem Blühstart plötzlich alles gleichzeitig erblüht. Insofern können Imkereien dankbar sein, wäre es nicht so trocken gewesen: Der Nektarfluss schien bisweilen recht spärlich trotz großer Blütenpracht, was vor allem beim gelben Blühfeld (Raps, Rübsen und/oder Senf), das unser Landwirt als Zwischenfrucht anbaute, an den hängenden Köpfen zu sehen war. Das eine Feld wurde bereits Ende April umgepflügt, um der Aussaat von Mais Platz zu machen. Das andere Feld hat er uns zu Liebe stehen lassen, da dort anschließend lediglich Grünland (Weidegras) wachsen soll und es daher nicht so eilt. Aber auch dieses Feld ist nun fast gänzlich verblüht.

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Kalkbrutsanierung für härtere Fälle

  1. Tag 1: Königin abfangen und auf frische Waben in neue Zarge setzen: Bei Tracht kommt die neue Zarge mit der Königin über ein Absperrgitter nach oben: Dann landet auch der Honig in den neuen Waben, die bleiben sollen. Wenn keine Tracht herrscht, setzt man die Königin besser gleich mit neuer Zarge nach unten und setzt die alte Zarge mit auslaufender Brut nach oben.
  2. Bis Tag 8: Brutdistanzierung = Königin legt in oberer Zarge Zwangspause ein, weil Ammenbienen auf dem Brutnest unten bleiben und zu wenige Bienen zur Königin ziehen. Im alten Brutraum auf Nachschaffungszellen kontrollieren, da der schwache Königinnenkontakt Weisellosigkeit vortäuschen kann.
  3. ab Tag 8: Das Volk enthält keine oder kaum offen Brut, da die Königin nach dem Unsetzen meist eine Legepause eingelegt hat und somit können sich auch die Kalkbrutsporen kaum auf die neuen Waben übertragen.
    Das ist zudem der ideale Zeitpunkt zum Umweiseln, wenn man die Königin austauschen will (alte Königin entnehmen und neue über Ausfresskäfig einhängen, nachdem man noch einmal auf Nachschaffungszellen kontrolliert und diese ggf. ausgebrochen hat). Ansonsten gibt man den Legeimpuls durch das Zuhängen einer offenen Brutwabe aus einem gesunden Volk: Sofort ziehen Pflegebienen zur offenen Brut und die Königin bestiftet dann auch die Nachbarwaben.
  4. Tag 21 oder später: Entnahme der Altwaben, wie im Film
    beschrieben. neuer Brutraum kommt spätestens bei dieser Aktion an seinen Bestimmungsort. Altwaben im Dampfwachsschmelzer einschmelzen und alte Holz-Zarge innen abflammen oder Kunststoffbeuten anders desinfizieren (z.B. mit 60%iger Essigsäure mittels Gummihandschuhen!).
  5. Volk eng und warm halten: Vorübergehend auf einer Zarge, starke Völker auf zwei Zargen belassen. Bei Trachtlosigkeit füttern, ansonsten kann je nach Volks- und Trachtentwicklung später der Honigraum wieder aufgesetzt werden.

    vSa