Wer wir sind und was mir machen

 

Leitbild

 

1. Kinder für die Natur begeistern 

Kaum ein Projekt wird sich so gut eignen wie die Imkerei, um Kinder und Jugendliche für die Natur zu begeistern und ökologische Zusammenhänge zu vermitteln. Selbst habe ich schon als Kind mit der Imkerei begonnen und der Funke der Faszination ist inzwischen auf meine Jungs übergesprungen, die begeistert in die Fußstapfen getreten sind. Da sie mit den Erlösen aus der Imkerei ihr Taschengeld aufbessern dürfen, hat es auch nicht viel Überzeugungsarbeit gekostet, sie vom PC wegzulocken, was mir mit manch anderem Projekt nicht gelungen war. 

 

2. Im Einklang mit den Bienen

Die Faszination gelingt nur bei friedlichen Bienen, mit denen man ohne "Mondmontur" imkern kann. Wir ziehen nur von friedlichen Völkern nach, die sich leicht lenken und bearbeiten lassen. So können wir mit unseren Bienen die gewünschten pädagogischen Projekte angehen und auch Schulimkereien aufbauen oder Neulinge aus meinen Kursen mit Ablegern beglücken. Bestimmte Eingriffe ins Bienenvolk, die in kommerziellen Großimkereien üblich sind, praktizieren wir zugunsten der Völkerharmonie nicht. So führen wir bspw. auch keine Fernwanderungen mit unseren Bienen durch, bei denen die Völker viele Stunden auf Lastern oder Anhängern durchgerüttelt werden, um sie an Blütenfelder zu bringen. 

 

3. Klasse statt Masse

Die Sortenvielfalt unserer Honige ist entsprechend auf das heimische und lokale Trachtangebot begrenzt. Im Frühjahr verbringen wir einige Völker in nahe gelegene Rapsfelder und pflegen ansonsten selbst etliche Obstbäume, die von unseren Bienen bestäubt werden. Im Sommer ist die Linde unsere Haupttracht. Der geerntete Honig dient zunächst unserer (Groß-)Familie zur Selbstversorgung. Die Überschüsse werden zugunsten der Taschengeldkassen unserer Jungimker verkauft oder zu Met (Honigwein) weiterverarbeitet. 

 

 


Wie alles begann

 

Meine Begeisterung für Insekten muss schon als kleiner Junge groß gewesen sein: Meine Mutter erzählte einmal, dass sie mich nicht mehr zwischen den spielenden Kindern auf dem Spielplatz fand, weil ich in einer Hecke verschwunden war, um Käfer und Bienen zu beobachten.

 

Die Initialzündung zur Imkerei brachte jedoch erst der Großvater eines Freundes, den ich nach meinem Umzug 1982 von Hamburg ins Saarland kennenlernte: Wenn ich meinen Freund besuchte, staunte ich über die Bienen und es dauerte nicht lange, bis mich Herr Gaber, so hieß mein Bienenpate, einlud, mitzuimkern. Der betörende Duft und das Summen im Bienenhaus weckten ungeahnte Gefühle in mir und ich war gleich in den Bann der Bienen gezogen. In umständlich zu bearbeitenden Hinterbehandlungsbeuten (Kästen, die nur von hinten bearbeitet werden können) imkerte der alte Kriegsinvalide, der mühsam auf seiner Beinprotese durch das Bienenhaus humpelte: Es handelte sich um ein sehr kleines Wabenmaß (Freudenstein) und um Auszugsbeuten im Warmbau, was bedeutet, dass man das gesamte Wabenwerk mit großem Gerucke erst nach hinten in einen "Schlitten" ziehen musste, um an die Waben zu gelangen. Bei der Aktion gab es jedes Mal viele gequetschte Bienen und wir konnten nur im Schleier imkern, weil die Bienen unsere Aktionen nicht recht mochten.

 

Meine Eltern waren lange Zeit strikt gegen meine imkerlichen Ambitionen, so dass ich nur bei besagtem Altimker helfen durfte, von dem ich viel gelernt habe und der mir des Öfteren ein Glas oder Eimer Honig schenkte, was auch das Herz meiner Eltern langsam für die Imkerei empfänglich machte.

 

Fern der Heimat ergab sich plötzlich, es muss wohl 1986 gewesen sein, ein zweites Schlüsselerlebnis mitten im Urlaub: Wir waren bei Verwandten in Schleswig-Holstein, als dort plötzlich ein Bienenschwarm im Baum hing. Ich zögerte nicht lange und fing diesen mit Hilfe einer Gänsefeder, die wir aus dem Stall holten, in einen Karton ein. Mein Onkel fertigte anschließend eine Holzkiste unter meiner Anleitung in seiner Werkstatt, in die ich abends die Bienen umlogieren konnte. Das war mein erstes eigenes Bienenvolk, vor dessen Flugloch ich den Rest des Urlaubs verbrachte und fast täglich neugierig den Deckel aufriss, um zu schauen, wie der Wabenbau voranschritt. Doch der Urlaub war schnell um und es war mir auch nicht vergönnt, die Bienen noch angemessen zu versorgen.

Die neu gewonnenen Bienen durfte ich zunächst auch nicht nach Hause überführen und so stand ich wieder ohne Bienen da. Meine Eltern hatten aber inzwischen erkannt, dass es mir ernst war und auch mein großer Bruder machte sich für mich stark, fuhr gleichen Sommers auch noch nach Schleswig-Holstein und brachte mir schließlich "meine" Bienen mit, die zu dem Zeitpunkt aber schon halb verhungert und für eine Überwinterung zu schwach waren, obwohl sich besagter Bienenpate noch viel Mühe gab.

 

Im nächsten Frühjahr startete ich dann endlich mit einer eigenen kleinen Imkerei durch: Meine Tante sponsorte die ersten Anschaffungen und später bekam ich auch noch von einem Saarbrücker Imker, einem pensionierten Förster, der aus Altersgründen aufgab, etliche Utensilien, u.a. eine Dreiwaben-Handschleuder geschenkt! Eine andere größere Zustiftung erhielt ich von meinem Cousin nach der Wende und dem Zusammenbruch der DDR, da dieser als Berufsimker aufhörte und mir u.a. Magazinbeuten und Wanderständer vermachte.

 

Mit der Imkerei bin ich mehrfach umgezogen, lebte in Rheinlandpfalz sowie in Hessen und zog schließlich nach Niedersachsen. Die Trachtverhältnisse (das Futterangebot für die Bienen) waren an den verschiedenen Wohnorten sehr unterschiedlich. Am besten waren die Trachtverhältnisse wohl im schönen Odenwald. In meiner Erinnerung stand die Honigschleuder dort vom Frühjahr bis zum Spätsommer kaum still und die hügelige Landschaft zog jede Tracht wundersam in die Länge, da die Blüten am Nordhang der Hügel erst zeitversetzt aufblühten. Auch hielt der Wald eine bunte Speisepalette für unsere Bienen parat.

 

Seit 1999 siedelt unsere Imkerei in Ostfriesland, wo wir auch gleich ein richtiges Bienenhaus mit Schleuderraum usw. bauten. Die Trachtverhältnisse sind hier ungleich schlechter. Doch dazu ein anderes Mal mehr. 

 

Meine liebe Frau hat schon vor unserer Heirat 1992 und auch danach, bis es die Kleinkinder nicht mehr zuließen, eifrig mitgeimkert. Heute imkern die Kinder z.T. mit oder lassen sich zumindest in die vielfältigen Aufgaben der Imkerei einbinden. Drei Söhne betreuen eigene Bienenvölker, wobei der älteste die Imkerei bereits übernommen hat und die meisten Völker betreut. Selbst imkere ich zugunsten der Kinder und unserer Selbstversorgung auch noch in der Familienimkerei und freue mich sehr, die eigenen wie auch fremde Kinder für die Bienen begeistern zu können. Auch habe ich mich aus diesem Grund um den Aufbau von Schulimkereien gekümmert und bringe mich auch dort weiter ein.       vSa


Dampfwachsschmelzer: Wabenschmelzer selber bauen

Dampfwachsschmelzer, Segeberger Beute, Bienenwachs, Wabenschmelzen, statt Sonnenwachsschmelzer
Ausrangierte Beutenteile werden zum Dampfwachsschmelzer!

Das Einschmelzen der alten Waben gehört zur größten Herausforderung einer Hobby-Imkerei. Die Profischmelzer sind teuer, aber wir zeigen, wie es auch einfach und dennoch effektiv geht. Viel Aufmerksamkeit und Zuspruch hat unser alter Beitrag erhalten, in welchem wir den Aufbau und die Handhabung bereits genauer erläutern:

Dampfwachsschmelzer selber bauen und betreiben

Dort findet sich eine genau Anleitung zum Bau und Betrieb!

Wir demonstrieren das auch nun noch einmal genau in nachstehendem Video.

 

Weisellosigkeit

Dort schmelzen wir die Waben eines eingegangenen Volkes ein, das weisellos geworden war (die Königin=Weisel verloren hatte). In diesem Fall haben wir das nicht rechtzeitig bemerkt. Das Volk hat sich offenbar keine Königin mehr selbst nachziehen können und eine unbegattete Arbeiterin hat angefangen, Eier zu legen, aus denen dann aber nur männliche Nachkommen (Drohnen) entstehen. Da die dicken Drohnenpuppen in den engen Arbeiterrinnen-Zellen keinen Platz finden und sich nach oben herausschieben, entstehen die auffälligen Buckel, warum man von "Buckelbrut" spricht.
Solche buckelbrütigen Völker kehrt man im Sommer am besten weiter entfernt vom Bienenstand ab, so dass sich die fleißigen Arbeiterrinnen bei Nachbarvölkern einbetteln können und die behäbigen Drohnenmütterchen in der Wiese zurückbleiben. Nun haben wir erst bei der Winterbehandlung die restlichen toten Bienen im Stock gefunden, weil wir das Volk vorher nicht mehr kontrollierten.

Wenn man die Weisellosigkeit hingegen rechtzeitig bemerkt und auch noch keine "Buckelbrut" vorhanden ist, kann man das Volk mit einem weiselrichtigen vereinigen bzw. eine Königin oder einen weiselrichtigen Ableger zusetzen. 
Wir hatten tatsächlich ein weiteres weiselloses Volk im Herbst, bei dem das Zusetzen eines Ablegers über Zeitungspapier gut geklappt hat. Vermutlich gingen die beiden Königinnen durch die Ameisensäurebehandlung verloren, was vor allem bei hohen Außentemperaturen während der Säurebehandlung vorkommen kann. Wir hatten insgesamt 28 Völker mit Ameisensäure behandelt (4 davon in der Schulimkerei), was einer hohen Verlustrate von ca. 7% entspricht. In den meisten Jahren hatten wir aber keine Königinnenverluste bei der Ameisensäurebehandlung

 

Video zum Dampfwachsschmelzer
Oben haben wir bereits die Anleitung verlinkt und zeigen hier noch einmal per Video die Zusammensetzung und den Betrieb des Wachsschmelzers. Wir zeigen auch das eingegangene Bienenvolk und die Untersuchung der Ursache. Im Hintergrund sieht man einen alten Mercedes Strichacht. Wir schrauben nämlich auch gerne an alten Autos.

mehr lesen

Varroabekämpfung

Die Portionierung ist mittels mitgelieferter Spritze recht einfach: ca. 5 ml pro besetzter Wabengasse!
Die Portionierung ist mittels mitgelieferter Spritze recht einfach: ca. 5 ml pro besetzter Wabengasse!

Oxalsäurebehandlung
Drei Wochen nach dem ersten Frost ist die richtige Zeit für die Oxalsäurebehandlung, weil die Bienen dann aus der Brut gegangen sein sollten. Bei uns an der Nordseeküste verlaufen die Winter meist mild und Frost ist selten. Am ersten Advent gab es aber bei uns auf dem Land leichten Frost und in der Stadt Emden, wo unsere Schulbienen noch geschützt im Innenhof stehen, näherten sich die Werte nur dem Gefrierpunkt an, wie uns die Aufzeichnungen der Messdaten unserer Stockwaage verraten. Behandelt haben wir am ersten Weihnachtsfeiertag bei +3° C unsere 23 Bienenvölker am Heimatstand und auf zwei Außenständen und am folgenden Morgen noch die vier Schulbienenvölker. Da mit Säure hantiert wird und ohnehin die Behandlung in die unterrichtsfreie Zeit fällt, sind keine Schulkinder dabei, wohl aber mein eigener Sohn. Gerade, wenn Zargen bei der Behandlung angekippt werden müssen, bin ich dankbar, wenn man zu zweit ist. Es geht aber natürlich auch alleine.
Nach unseren Aufzeichnungen im Bestandsbuch, in das man die Behandlung stets gewissenhaft eintragen muss, schwankte der Zeitpunkt der Behandlung in den letzten fünf Jahren zwischen dem 20. und dem 29. Dezember. Die Aufzeichnungen im Bestandsbuch sind nicht nur zur eigenen Orientierung wichtig, sondern dienen auch als Nachweis für die Angaben im Gesundheitszeugnis der Bienen. Man kann sich Vordrucke zum Ausfüllen aus dem Internet herunterladen:

Vorlage Bestandsbuch Querformat

Vorlage Bestandsbuch Querformat farblich

 

Wirksamkeit
Wenn man mit der Behandlung in den Januar hineingerät, läuft man zunehmend Gefahr, dass die Behandlung aufgrund eines wachsenden Brutnestes weniger wirkt: Ab dem 21. Dezember werden die Tage schon wieder unmerklich länger und wenn weitere Parameter, wie wärmeres Wetter, hinzukommen, fangen viele Völker schon wieder mit einem kleinen Brutnest an und acht Tage später sind die ersten Brutzellen gedeckelt, in denen die Varroen sich geschützt vermehren können. Zumal bei den heutigen Nutzbienen oft Zuchteinschläge von Bienen südlich der Alpen (Italienerbiene) zu erkennen sind und die Winter immer milder werden, wird es immer schwieriger, wirkliche Brutfreiheit der Völker abzupassen. Keinesfalls sollte man aber, wie oft zu lesen ist, die Völker im Winter auseinanderreißen, um die Völker auf Brutfreiheit zu kontrollieren: Das würde mehr schaden als nutzen, da eine fest sitzende Bienentraube für den Behandlungserfolg wichtig ist. Wenn man einige Tage vor dem geplanten Behandlungstermin die Bodenschieber reinigt, die bei uns ganzjährig geschlossen bleiben (siehe Bodenschieber), kann man auf diesen erkennen, ob frische Brutzelldeckel herabgefallen sind. In der Regel reicht aber besagte Drei-Wochen-Regel nach dem ersten Frost als Faustformel für die Terminierung. Im Zweifel ist auch eine späte Behandlung oder eine Behandlung trotz eines kleinen Brutnestes besser als gar keine.

 

Durchführung der Behandlung
Über das Anrühren, Aufziehen und Ausbringen der Oxalsäurelösung gibt es auf unserer Homepage schon eine ausführliche Anleitung: Winterbehandlung gegen die Varroa
Wichtig ist, bei der Winterbehandlung ohne Rauch zu arbeiten: Der Smoker bleibt aus! Die Bienentraube soll möglichst wenig gestört werden. Bei Rauchzufuhr würden die Bienen zudem unnötig viel Futter aufnehmen und ihren Stoffwechsel anregen, was auch den Darm belastet. Da die Bienen aber im Stock nicht abkoten, sollen sie gerade im Winter möglichst wenig gestört werden und schon gar nicht durch Rauch zur Futteraufnahme animiert werden. Im Sommer macht die Rauchzufuhr eher Sinn: Die Bienen füllen bei Brandgefahr ihre Honigblasen und stellen sich auf die Evakuierung des Stocks ein. In diesem Modus zeigen sie kaum Abwehrreaktionen. Wer friedfertige Bienen hält, lässt aber ohnehin häufig den Smoker aus.

Die mit Zucker fertig angerührte Säure-Lösung muss umgehend aufgebraucht werden, da sich zunehmend das für Bienen schädliche HMF bildet.

Wichtig ist im Umgang mit Säuren die richtige Schutzkleidung, wozu mindestens beim Ausbringen säurefeste Schutzhandschuhe gehören. Die eigentliche Behandlung pro Volk ist eine Minutensache und wird in nachstehendem Video demonstriert. Wenn die Bienentraube nicht so schön im oberen Magazin sitzt, muss man die obere Zarge ankippen.
Auf die Spritze haben wir einen Pipettenaufsatz gesetzt, um den Tröpfchen-Strahl feiner aufbringen zu können.

mehr lesen

Auffütterung der Bienenvölker

Anrühren der Zuckerlösung im Fass mittels Paddel
Anrühren der Zuckerlösung im Fass mittels Paddel

Welche Futtermittel?

Bis etwa 30 Völker kann man das Zuckerwasser ganz gut selbst anrühren und ggf. technische Hilfe, wie eine Umwelzpumpe oder eine Rührmaschine zu Hilfe nehmen.

 

Größere Nebenerwerbsimkereien und Berufsimkereien werden meist auf Fertigfuttersirup zurückkreifen und haben auch die Räumlichkeiten, diesen sachgerecht zu lagern. Die Kleinimkerei sollte sich das aber gut überlegen: In Spättrachtgegenden kann eine Auffütterung mit Sirup auch für sie sinnvoll sein, weil er fertig invertiert ist und schnell aufgenommen wird. Die Säureinvertierung  stellt aber zugleich auch ein Problem dar (s.u.), weswegen für uns als Hobby-Imkerei ohne Spättracht und entsprechend frühem Auffütterungstermin die Sirup-Alternative verworfen wird. Der Futtersirup hat auch weitere Nachteile!

 

Gründe, die gegen den Futtersirup sprechen:

  1. Vorhandenes Fertigfutter verleitet zur Überfütterung, während Haushaltszucker gezielt in der benötigten Menge angerührt wird. Überschüsse an Futtersirup, auch in Form fertiger Futterwaben, sollten aber nicht unbedarft weiter genutzt werden (vgl. Pkt. 3).
  2. Fertigfuttsirup muss bestellt oder im Fachgeschäft gekauft, fachgerecht gelagert und in voll abgenommener Menge noch in der gleichen Saison verbraucht werden, während Haushaltszucker jederzeit um die Ecke nachgekauft und im unangerührten Zustand quasi unbegrenzt gelagert werden kann. Durch die ständige Verfügbarkeit ergibt sich aber quasi das Lagerproblem gar nicht, das sich nur beim Futtersirup ergibt.
  3. Säureinvertierter Futtersirup kann vor allem bei zu warmer Lagerung die Gefahr zu hoher und damit für Bienen schädlicher HMF-Werte bergen. Man muss ihn also im kühlen Honiglager aufheben, bald verbrauchen und sollte ggf. die nach dem Winter entnommenen Futterwaben auch nicht mehr für Jungvölker einsetzen. Bei selbst gerührtem Zuckerwasser bestehen hingen keine Bedenken! (Siehe hierzu nachstehenden Link)
    Warnung des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Häufig wird zudem Futtersirup aus Weizen hergestellt, was u.U. marktethisch angesichts der globalen Ernährungslage problematischer ist als Futtermittel aus heimischen Zuckerrüben!

Dass der Zucker selbst angerührt wird, ist für uns in der erlebnispädagogischen Familien- und auch in der Schulimkerei eher ein Vor- als ein Nachteil. Schließlich wollen die Kinder beteiligt sein und etwas selbst machen. Für gezielte Reizfütterungen bei Jungvölkern und Ablegern lässt sich schön auch eine etwas dünnere Zuckerlösung herstellen. Etwaiger Räubereigefahr wird durch Fluglochverengung vorgebeugt! Preislich liegt man mit dem selbst gerührten Zucker wahrscheinlich sogar etwas günstiger. Gerade kurz vor oder zur Auffütterungszeit im Juli gibt es bei den Discountern meist die praktischen 2kg-Päckchen im Angebot.

 

Wann wird gefüttert?
Wer mehrere Völker zeitgleich aufzufüttern hat, füttert immer abends, damit keine unnötige Unruhe entsteht: Denn die Bienen schwirren direkt los um die Umgegend nach der vermeintlichen Trachtquelle abzusuchen und behelligen dabei auch gerne die Nachbarvölker. Bis zum nächsten Tag hat sich die erste Aufregung bereits gelegt. Bei dauerhaftem (Niesel)Regen kann man auch schon am Tag füttern, weil dadurch auch der Flug gehemmt ist.
Wir bemühen uns in dieser trachtlosen Zeit allen Völkern direkt an dem Tag, an dem wir sie abgeschleudert haben, auch abends schon wieder die erste Futtergabe zu geben, damit sie keine Not empfinden. Es ist für die Bienen sozusagen ein direktes Tauschgeschäft: Honig gegen Zuckerwasser. Da aber die Bienen nicht wirklich Not leiden und noch Vorräte im Brutraum haben, die wir belassen, ist es nicht schlimm, wenn wir erst am nächsten Abend zu den Völkern kommen, wenn wir das zeitlich nicht schaffen.

Die Futtergabe erfolgt bei den Vollvölkern i.d.R. in zwei Portionen im Abstand von mindestens einer Woche und ist meist noch im Juli abgeschlossen. Aber man kann auch die Varroabehandlung mit Ameisensäure nach der ersten Auffütterung anschließen, muss dafür aber die Fluglöcher öffnen und die Leerzargen abräumen oder zumindest die Säure entsprechend höher dosieren.

Doch wollen wir nicht zu spät im August noch die Bienen mit der Futterverarbeitung zu sehr strapazieren, da sich dann bereits die Winterbienen abarbeiten könnten. In Spättrachtgegenden ist das natürlich anders, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

 

Wie wird gefüttert?

In einem anschaulichen Erklärfilm haben wir es vorgemacht und erklären auch das Mischungsverhältnis sowie das Einbringen in die Bienenvölker:

 

Auffütterung der Bienen (Youtube-Film)

 

Zur Position des Eimer bzw. der Schüssel sowie der Abdeckfolie gibt es am Ende dieses Artikels noch einen Nachtrag (s.u.)!

Wie viel wird gefüttert?

In der Regel zu viel! Dabei überwintern die Bienenvölker schlecht, wenn alle Wabenzellen zugepackt sind. Das habe ich selbst einmal bei einem überfütterten Jungvolk, das nur auf einer Zarge saß, erlebt. Das Brutnest wird ggf. zu früh eingeengt (s.u.) und die Bienentraube muss dann lange in den den vielleicht kalten Unterboden durchhängen, weil sie nicht das ganze Futter im Winter mit erwärmen kann. Wer die Wintertraube einmal genauer beobachtet, stellt fest, dass immer nur ein Teil auf dem verdeckelten Futter sitzt. Die Futterverteilung in der Traube gelingt dennoch.

Umgekehrt kommt es selten vor, dass Völker tatsächlich verhungern. Man erkennt dies im Frühjahr daran, dass die Bienen kopfüber in den Zellen stecken. Wenn Ende Dezember die Tage bereits wieder länger werden, fangen manche Völker bereits wieder mit dem Brutgeschäft an und nicht jede Königin passt ihre Legeleistung den örtlichen Verhältnissen an. Bei großem Brutnest zehrt das Volk ungemein und muss auch das Brutnest wärmen. Bei Kälteeinbrüchen bleiben die Bienen treu auf der Brut und der Kontakt zu weiter entfernten Futterwaben reißt ab. So dass man verhungerte Bienen in der Beute findet, obwohl am anderen Ende vielleicht noch Futter hängt.

mehr lesen

Honigernte: Entnahme der Honigwaben, Entdeckeln und Schleudern

Einen ausführlichen Bericht und eine Anleitung zu den einzelnen Arbeitsschritten findet ihr in unserem früheren Beitrag

Honigernte

In nachstehendem Beitrag werden die Arbeitsschritte der Honigernte durch Filmbeiträge anschaulich erläutert. Weiter unten findet ihr Argumente gegen den Heißluftföhn und für einen Raumluftentfeuchter. Außerdem wird das Für und Wider des Absperrgitters beleuchtet.

 

Entnahme der Honigwaben

Endlich ist es soweit: Doch bevor es losgehen kann, müssen Schleuderraum und alle Gerätschaft geputzt bzw. gespült werden. Das macht man am besten schon ein oder zwei Tage vorher und lüftet gut, damit der Raum wieder schön trocken ist. Denn der Honig, der beim Schleudern zwangsläufig der Luft ausgesetzt ist, kann leicht Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Daher ist es sinnvoll, auch mit einem Luftentfeuchter die Feuchtigkeit im Schleuderraum rechtzeitig unter 55% zu halten (s.u.).

Wenn der Honig endlich reif ist und die Spritzprobe zeigt, dass er von den Bienen hinreichend eingedickt wurde, dürfen die Waben entnommen werden (siehe Video).

 

 

Entdeckeln und Schleudern

Wie laden euch zu einem virtuellen Besuch in unseren Schleuderraum ein. Hier erfahrt ihr die Geheimnisse eines guten Honigs:

Die Frühtracht in diesem Jahr fiel bereits relativ bescheiden aus und wir hofften auf viel Sommerhonig. Doch leider ist die Enttäuschung hier noch größer: Wir mussten lange warten, bis der Honig unseren Qualitätsanforderungen entsprach und er wirklich reif war. Doch das Warten fällt schwer, wenn täglich die Vorräte von den Bienen selbst weiter verzehrt werden. Entsprechend mager war nun auch das zweite Schleudern und es gab weniger Honig als in den Vorjahren.


Argumente gegen das Entdeckeln mit dem Heißluftföhn

Im Film sprechen wir uns klar gegen den Einsatz des Heißluftföhns in der Imkerei aus. Hier noch einmal die wichtigsten Gründe im Überblick:

  1. Energiefresser: Solch ein Heißluftföhn wird mit ca. 1,5 kW betrieben und läuft oft stundenlang durch!
  2. Umweltaspekt: Wenn wegen der Wachskleckerei, die mit dem Wegschmelzen der Zelldeckel verbunden ist, noch Plastikfolien ausgelegt werden, wie in einschlägigen Videos empfohlen, so passt das erst recht nicht mehr zum Naturschutzgedanken unserer Imkerei.
  3. Wachsgewinnung: Das Entdecklungswachs ist nebst dem reinen Bauwachs das wertvollste Wachs, das wir gewinnen können. Das schmilzt man nicht achtlos weg!
  4. Verbrennungsgefahr: Wenn die Imkerei als pädagogisches Projekt mit Kindern betrieben wird, hat ein Heißluftföhn dort erst recht nichts zu suchen. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu hoch. Verbrennungen können bereits durch den Heißluftstrom erzeugt werden, bevor die Düse berührt wird! Da müssen selbst Erwachsene aufpassen.
  5. Gefährdungen des Honigs: Bei unsachgemäßer Handhabung ist es nicht auszuschließen, dass der Honig zu stark erwärmt wird. Das passt schlecht zum schonenden Umgang. Außerdem wird die Raumluft ungefiltert durch das staubige Gerät, das gar nicht zur Lebensmittelgewinnung gedacht ist, auf die offenen Zellen gepustet.
  6. Entfremdung: Bei unserem Hobby wollen wir uns bewusst den Düften und Gerüchen des Honigs und der Waben aussetzen, die Arbeit der Bienen (auch ihr mühevoll aufgebotenes Wachs) wertschätzen und nicht im industriellen Schnelldurchlauf aus Rationalisierungsgründen das Wachs wegpusten. Vielmehr soll jedes Kind Gelegenheit bekommen, durch haptische Wahrnehmungen dem Wunder näher zu kommen und eigene Erfolge durch das Entdeckeln zu erzielen. Das hat durchaus etwas Kontemplatives bzw. Meditatives.
  7. Bessere Alternativen: Wer viele Völker bewirtschafet, findet professionelle mechanische Entdecklungsmaschinen, die mit Bürsten, Messern oder gespannten Drähten arbeiten, die m.E. dem Heißluftföhn trotz der hohen Anschaffungskosten vorzuziehen sind.

 

Argumente für einen Luftentfeuchter

Der Schleuderraum muss eine geringe Luftfeuchtigkeit aufweisen, sonst zieht der Honig beim Verarbeitungsvorgang Wasser! Das Lüften während des Schleuderns gestaltet sich jedoch schwierig, da die Gerüche die Bienen anziehen. Selbst wenn ein bienendichtes Gitter oder Netz vors Fenster gespannt ist, wird man durch das Schleudern für Unruhe im Umfeld sorgen. Ohnehin ist die Luftfeuchtigkeit draußen nicht zwangsläufig niedriger. Gerade bei uns in Küstennähe haben wir mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu tun. Wer die auf dieser Homepage (siehe "Stockwaage") mitgelieferten Wetterdaten für Emden verfolgt, der sieht, dass auch an regenfreien Tagen selbst im Sommer die Luftfeuchtigkeit meist um die 90%(!) beträgt und nur um die Mittagszeit für wenige Stunden auf annehmbare Werte unter die 60% oder auch 50% abfällt. Das macht den Bienen auch die Trocknung im Stock so schwierig und ich spreche mich an dieser Stelle auch noch einmal deutlich für das Belassen der Bodenschieber aus, damit die Bienen die Luftfeuchtigkeit im Stock über das Flugloch selbst regulieren können. Bei offenen Bodenbrettern wären die Waben die Mehrzeit des Tages zu hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt!

Ein Luftentfeuchter, wie wir ihn im voranstehenden Film zeigen, ist inzwischen auch für kleine Hobbyimkereien erschwinglich und zur Trockenhaltung des Schleuderraumes (und ggf. später auch des Honiglagers) äußerst hilfreich. Der Anschaffungspreis ist dabei davon abhängig, welches Raumvolumen entfeuchtet werden muss. Der renomierte Wissenschaftler und Leiter des LAVES Institus für Bienenkunde in Celle Prof. Dr. Werner von der Ohe empfiehlt die Luftentfeuchtung in einem Interview sogar dringend (vgl. S. 20/21 in bienen&natur 5/2020). Er führt aus, dass die Luftfeuchtigkeit beim Schleudern möglichst unter 55% gehalten werden solle, damit der Honig kein Wasser zieht. Bruno Binder-Köllhofer (Fachberater) empfiehlt sogar, die Raumluft auf unter 50% zu entfeuchten, wenn Waben dort auf die Schleuderung warten (S. 17 im selben Heft).
Wir haben unseren Luftentfeuchter während des Schleudervorgangs daher auf 50% eingestellt, wobei er sich dann in einem Toleranzbereich bis etwa 54% bewegt, bis er sich wieder einschaltet. Im Video demonstrieren wir, dass sogar niedrigere Einstellwerte möglich sind. Das Kondenswasser wird über einen Ablaufschlauch direkt in ein Boden-Gully geleitet.

Während die Raumluftentfeuchtung ausdrücklich geboten ist, darf man den Honig aber später nicht gezielt mit Trocknungsmaschinen entfeuchten oder etwa durch Gebläse, die die trockene Raumluft über die Waben oder Honiggefäße pusten, bearbeiten. Dabei würde man dem Honig nämlich auch andere Stoffe, z.B. Aromen, entziehen!

Bei der Frühtrachternte wären wir vielleicht auch ohne Luftentfeuchter ausgekommen, da der Honig sehr trocken war. Der im relativ nassen Juli geerntete Honig hatte aber Messwerte, die z.T. an die 18% reichten. Da wäre eine weitere Feuchtigkeitsaufnahme im Sinne der DIB-Kriterien gefährlich.

 

Imkern ohne Absperrgitter

Es geht auch ohne, wie das nachstehnde Video zeigt:

Eine Bauanleitung für die Naturbeute findet ihr hier:

Beutenbau: Nordische Naturbeute

Bei unseren selbst gezimmerten Naturbeuten legen wir teilweise keine Absperrgitter ein: Die billigen zuschneidbaren Plastikabsperrgitter gefallen nämlich den Bienen offenbar nicht so gut und sie gehen nicht so gerne in den Honigraum hoch, lagern z.T. lieber Honigkränze unterm Gitter ab. Wahrscheinlich sind die gestanzten Durchgangsschlitze unbequem und scharfkantig. Außerdem liegt das Gitter direkt auf den Rähmchen bzw. deren Oberträgern auf, so dass nur die passenden Schlitze genau über den Wabengassen passiert werden können. Man kann das Problem umgehen, indem man höherwertige Absperrgitter mit Rundstäben kauft und diese noch besser in einen passenden Rahmen auf Zargenbreite angepasst sind, der den Abstand zu den Rähmchen hält. Bei guten Trachtverhältnissen und starken Völkern reichen durchaus auch die billigen Absperrgitter und der Honigraum wird angenommen.
Zur Naturimkerei passt aber das Imkern ohne Gitter vielleicht sogar besser. Wir haben es jedenfalls bei einigen Völkern ausprobiert. Frühtrachthonig konnten wir so jedoch nicht ernten: Zu dieser Zeit waren die oberen Waben noch mit dicken Brutnestern bestückt. Erst jetzt in der zweiten Julihälfte war das Brutnest weitgehend bis in die mittlere Zarge heruntergewandert, so dass die oberen Waben mit dem Honig entnommen werden konnten. Aber oft mussten auch jetzt noch dicke Honigwaben, die unten noch etwas Brut aufwiesen, statt sie zu ernten umständlich andernorts im Volk untergebracht werden: Dazu haben wir die Brut-Zargen getauscht, so dass die mittlere Zarge nach unten aufs Bodenbrett kam und die untere eine Etage höher, nach oben: Hier konnten nun (weitgehend) leere Waben entnommen und dafür volle aus dem Honigraum mit etwas Brut am unteren Rand über das nun nach unten gerückte Brutnest gehängt werden.

FAZIT: Das Imkern ohne Absperrgitter ist umständlicher und man erntet bei hiesigen Trachtverhältnissen (keine Massentracht) deutlich weniger Honig. Vor allem gibt es keinen reinen Sortenhonig, sondern eine Ganzjahresmischung!

 

Honig aus schon einmal bebrüteten Waben

Einem anderen Argument, das sonst noch für Absperrgitter vorgebracht wird, sei an dieser Stelle aber noch einmal widersprochen: Es ist nicht zwangsläufig von Nachteil oder unhygienisch , wenn der Honig in schon einmal bebrüteten Zellen eingelagert wird: Nachweislich wird der Nektar, bis er endlich zu Honig wird, im Volk umgetragen und aufmerksame Imkerinnen und Imker haben schon solche Bereiche frisch eingetragener Tracht im Brutraum vorgefunden. Es ist also nicht vermeidbar, dass der Honig mit Brutzellen in Kontakt kommt, selbst wenn im Honigraum ausschließlich unbebrütete Waben untergebracht sind. Da schlüpfende Bienen Häutchen in der Zelle hinterlassen, mit denen alte Hinterlassenschaften gut versiegelt werden, und nach dem Schlupf auch ihre Zelle gut putzen, ist das grundsätzlich eine saubere Sache. Vielmehr kann in "frischem Wachs", wie es den Bienen in Form von Mittelwänden angeboten wird, die eigentliche Gefahr lauern: Bienenwachs ist teuer und wird global gehandelt. Die zugekauften Mittelwände, die die Bienen dann zu neuen Honigwaben ausbauen, können so schon eine Vielzahl dubioser Schadstoffe enthalten, denn oft wird das Wachs beim Aufkauf und der Umarbeitung lediglich auf Paraffin-Verunreinigungen untersucht und vielleicht noch durch Hitze entseucht, aber längst nicht auf alle Chemikalienrückstände geprüft. Das Wachs nimmt sehr leicht Fremdstoffe auf und gibt sie auch wieder an den Honig ab! Daher sollte man stets sein eigenes Wachs umarbeiten lassen oder gleich selbst das Wachs verarbeiten. Keinesfalls sollte man ungeprüften billigen Internetangeboten auf den Leim gehen!

Nützliche Links zum eigenen Wachskreislauf:

Dampfwachsschmelzer selbst bauen und betreiben

Wachsverarbeitung - Wachsklärung

Mittelwände selbst gießen

 

Wabenhygiene

Was bebrütete Waben im Honigraum anbelangt, so ist es natürlich ein Unterschied, ob frische diesjährige Waben, die ein- oder zweimal bebrütet wurden, oder alte umgehängte stockige Waben, die seit Jahren ein Randwabendasein im Bienenstock fristen, plötzlich als Honigwabe herhalten sollen. Dieser Beitrag darf daher nicht als Alibi mangelnder Wabenhygiene verstanden werden!

 

Wabenhygiene

 vSa

Das Flügelstutzen und Kennzeichnen der Königin

Flügel stutzen

Die Königinnen der Ameisen werfen die Flügel nach dem Hochzeitsflug von alleine ab, die der Bienen behalten sie, um im Folgejahr schwärmen zu können. Beim Schwärmen fliegt ein Großteil des Volkes mit der Königin davon. Wir wollen natürlich die Bienen behalten und imkern daher möglichst schwarmfrei.
Sollten wir nicht aufgepasst haben und die Bienen dennoch schwärmen wollen, so taumelt die Königin mit gestutztem Flügel zu Boden und der Schwarm bleibt ganz in der Nähe. Sollte man nicht rechtzeitig zugegen sein, so ziehen sich die Bienen in den Stock zurück und schlimmsten Falls ist die alte Königin verloren. Das gefährliche Klettern in schwindelerregende Höhen, um den Bienenschwarm wieder einzufangen, gehört so jedenfalls der Vergangenheit an, wenn man nicht auch noch den Nachschwarm mit einer neuen Königin ausziehen lässt. Das Stutzen einer Flügelspitze ist keine Quälerei: Der Königin tut das nicht weh und bei Arbeitsbienen fransen die Flügelenden im Verlauf ihrer Sammelflüge ohnehin immer mehr aus, so dass das Einkürzen der Flügel dort von alleine vorkommt. Die Ameisenkönigin verlieren, wie gesagt, sogar von alleine die Flügel, weil sie sie nicht mehr brauchen.

(Zur Praxis des Flügestutzens vgl. z.B. auch Klaus Nowottnick: Flügel-Stutzen, in Die Biene 4/1992, S. 208-210!)

Das Stutzen eines Flügels sollte vor dem Aufkleben des Zeichenplättchens erfolgen. In umgekehrter Reihenfolge läuft man Gefahr, dass das noch frisch aufgeklebte Zeichenplättchen wieder abgestreift wird. Wenn die Königin bereits vor dem Hochzeitsflug gekennzeichnet werden soll, was beim Beschicken von Belegstellen üblich ist, so kann man ihr erst später den Flügel kürzen und muss sie erneut abfangen. Wenn sie erst eine Weile in Eiablage ist, wird sie auch behäbiger.

In diesen Erkärvideos seht ihr, wie es gemacht wird:

Nachtrag zum Flügelstutzen (24.7.2020)

Zur Klarstellung muss noch einmal erwähnt werden, dass hier nicht vom Flügelstutzen bei Vögeln die Rede ist und auch nicht damit vergleichbar ist. Das hier gezeigte Verfahren steht auch nicht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz. Die Bienenkönigin nutzt ihre Flügel im Stock nicht, den sie auch freiwillig nicht verlässt! Die hier gezeigte Praxis wird vielmehr vielfach in der Fachliteratur empfohlen, wozu ich auch obigen Literaturverweis angeführt habe.

Ich zitiere hier auch noch den nicht nur von Buckfast-Imkereien vielgeschätzten Bienenvater Bruder Adam, der den Zweck in seinem bekannten Kasseler Vortrag schön auf den Punkt bringt:

"Ich hätte eigentlich schon vorher erwähnen sollen, dass bei uns nie eine Königin zugesetzt wird, ohne dass ein Flügel gestutzt ist. Dies verhindert das Schwärmen nicht, aber ein Schwarm kann nie durchbrennen, muss immer wieder zurück ohne eine Königin. Das Stutzen der Flügel erspart den Verlust vieler Schwärme sowie aller Gefahren, Mühe und Arbeit, die mit dem Einfangen verbunden sind. Ich weiß, was das bedeutet. Unsere Umgebung ist baumreich. Einen Schaden oder Nachteil — durch das Stutzen der Flügel verursacht — habe ich in 40 Jahren nie bemerkt. Ein Großimker mit vielen Außenständen könnte ohne diese einfache Vorsichtsmaßnahme kaum mit Erfolg imkern. In der Tat, das Stutzen der Flügel wird bei uns als eine elementare Selbstverständlichkeit angesehen." (http://www.pedigreeapis.org/biblio/artcl/BAKassel60de.html)

Das von Bruder Adam vorgebrachte Argument zählt bei heutigen Stadtimkereien umso mehr: Ein Schwarm im Kaufhauseingang oder an der Kreuzungsampel ist noch weitaus ärgerlicher als einer im Baum!
Der renomierte Lehrmeister und Praktiker Karl Weiß hat es u.a. in seinen Werken Der Wochenend-Imker und Neue Imkerschule gelehrt und selbst in den jüngsten Werken zur Königinnenzucht wird das Flügelschneiden als Praxisbaustein besprochen. Gilles Fert und Klaus Nowottnick widmen in ihrem Buch Königinnen-Zucht. Praxisanleitungen für Imker immerhin ein kurzes bebildertes Kapitel dem Flügelschneiden.

Es hat seine Gründe, dass erfahrene Praktiker sich für ein Flügelstutzen aussprechen! Die Ablehnung kommt hingegen oft aus Unkenntnis oder aus mangelndem Mut, es selbst zu lernen. Die Ablehnung der Praxis kommt heute auch von Massenlieferanten in der Königinnenzucht, die den Aufwand nicht betreiben können (die Königin wäre zu teuer) oder bei der Akkordarbeit der Massenabfertigung dann doch Gefahr laufen würden, Königinnen zu verletzen. Das hat mit dem hier gezeigten behutsamen Vorgehen aber nichts zu tun. Die Königin und ihr Gefolge stört sich eher am Farbplättchen als am gestutzen Flügel: Die Bienen im Gefolge versuchen sehr wohl, den Rücken der Königin zu reinigen, wie ich oft beobachtet habe, und bloße Farbe wird über kurz oder lang sogar abgetragen, so dass Zeichenstifte nur begrenzte Wirkung zeigen. Die Königin muss mit ihrem neuen Rückenranzen bei der Eiablage bis zu 2000 Zellen täglich prüfen. Wenn sich also Leute gegen das Zeichnen der Königin aussprechen, kann ich das noch eher verstehen. Noch nie habe ich aber in all den Jahrzehnten, in denen ich das Flügelschneiden schon praktiziere, beobachtet, dass sich eine Biene auffällig mit dem gestutzten Flügel beschäftigt hätte oder es gar nach dem Stutzen zur Ablehnung und Umweiselung im Volk gekommen wäre. Mir ist - wie Bruder Adam - kein Nachteil bekannt:

Auch in der hier gezeigten Imkerpraxis lässt sich der Schwarm vorwegnehmen und mit der Königin lassen sich sogar noch Kunstschwärme bilden, indem man sie im Käfig aufhängt usw. Eine unreflektierte willentliche Schwarmimkerei ist in den meisten Gegegenden - nicht nur in Stadtimkereien - hingegen fahrlässig und gar nicht möglich. Einzig, wer nach strengen Bio-Richtlinien imkert, die z.T. auch Rähmchen im Brutraum ablehnen (Demeter), darf der Königin keinen Flügel stutzen. Ich stelle das meinen Kursteilnehmern frei, demonstriere es aber und empfehle es auch ausdrücklich: Der Ärger und der Schaden, der durch wilde Schwärme verursacht werden kann (angefangen von der Varroa-Verbreitung und Seuchenverschleppung bis hin zu Feuerwehreinsetzen und stillstehenden Straßenbahnen, weil der Schwarm an der Oberleitung hängt usw.) ist nicht zu unterschätzen und das wilde Volk oft dem Verderb preisgegeben. Wer will diese Verantwortung tragen? Auch kann bei Hobby-Imkerinnen und Hobby-Imkern, die einem anderen Hauptberuf nachgehen, nicht sichergestellt werden, dass sie in der Schwarmzeit wöchentlich nach ihren Bienen schauen und sichere Schwarmverhinderung betreiben: Da spielt schon das Wetter nicht immer mit.

Ich spreche also noch einmal die klare Empfehlung aus: Wenn man sich schon die Mühe macht, die Königin zum Zeichnen abzufangen, so sollte man ihr auch gleich einen Flügel einkürzen.

 

geeignete Hilfsmittel

Mit einem Zeichenröhrchen gelingen beide Arbeitsschritte schnell und zuverlässig. Man sollte aber ein Zeichenröhrchen mit Absperrgitter (4,2 mm breite Schlitze) nehmen, keines mit Netz: Beim Netz ist das Stutzen des Flügel nämlich etwas komplizierter, weil der Flügel ggf. erst durchs Netz gefädelt werden muss.
Wer die Königin mit bloßen fingern abfangen und festhalten will, darf sie nur am Bruststück (Thorax) festhalten und sollte zumindest keine kittharz-verschmierten Finger haben, was schwierig ist, wenn man zuvor die Waben gezogen hat. Außerdem ist der Stress für die Königin wahrscheinlich größer und ihr könnten menschliche Fremdgerüche anhaften. Auch verlaufen im Hinterleib die Eierstöcke mit den empfindlichen Eileitern: Angeblich könnte ein erhöhter Druck zum Verkleben der äußeren Eileiter und damit zu schlechterer Legeleistung der Königin führen. Die kolportierte Studie habe ich selbst jedoch nicht gefunden und kann hier nur Hörensagen wiedergeben (vgl. hierzu Video von Dirk Unger). Jedenfalls bleibt man mit der hier gezeigten einfachen Methode auf der sicheren Seite.

 

Farben der Zeichenplättchen

Die Farben werden von Jahr zu Jahr dunkler, so dass man sie sich leicht merken kann. Sie wiederholen sich alle fünf Jahre. So geht es weiter:

2021 weiß

2022 gelb

2023 rot

2024 grün

2025 blau

 

In einem früheren Beitrag sind die Abläufe noch genauer schildert:

Stockmutter stets signiert

 vSa